Dienstag, 12. Februar 2013
11. Kapitel

Eine Stunde später stiegen sie vor ihrem Hotel ab. Zuvor waren schon einige Hotels angefahren worden an denen immer ein paar Reisende ausstiegen. So leerte sich der Bus allmählich. Während der Fahrt bewunderte Anita die vielen tollen Hotelanlagen an denen sie vorbei fuhren. Immer wieder zeigte sie Markus Neues. Es nervte ihn langsam schon etwas. Im Bus war es warm und er hatte zu dicke Kleidung an. Seinen Unmut darüber wollte er aber nicht an seiner Freundin auslassen.
Außer ihnen hatte noch ein älteres Ehepaar dieses Hotel gebucht. Die zwei Alten waren vor ihnen ausgestiegen. Nachdem der Busfahrer das Gepäck rausgegeben hatte marschierten sie durch eine Gasse Richtung Hoteleingang. Dort angekommen betraten sie die Lobby. Der Boden war mit hellem Marmor belegt. Die Wände und Säulen in Beigetönen gestrichen. Das gefiel den Beiden sofort. Nachdem sie sich umgeblickt hatten schritten sie zur Rezeption.
Das Ehepaar derweil folgte streitend. Der Frau passte anscheinend etwas nicht und nörgelte an ihrem Mann rum. Der wieder rum beschwerte sich lautstark darüber, dass er die ganzen Taschen und Koffer schleppen musste.
„So wollen wir aber nicht mal enden“, meinte Markus grinsend zu Anita.
„Auf gar keinen Fall“, erwiderte diese.
Freundlich wurden sie begrüßt. Markus holte aus seiner Tasche die Reservierungsunterlagen und gab sie dem Empfangschef. Dieser nahm sie entgegen und warf einen Blick darauf.
„Herr Markus Walz und Frau Anita Schmidt, herzlich willkommen im Sol Sun Beach“, sagte der Mann in fast akzentfreiem Deutsch. Das überraschte die beiden jungen Leute sehr. Das merkte der Mann auch.
„Wundern sie sich nicht. Ich habe einige Jahre in Deutschland gelebt.“
Er hatte sich dem Computerbildschirm zugewandt der rechts von ihm auf der Theke stand. Er gab über die dazugehörige Tastatur ein paar Daten ein und griff dann hinter sich vom Schlüsselbord einen Schlüssel und überreichte ihn an Markus.
„Wir haben Apartment 25 für sie. Zum Zimmer gelangen sie wenn sie dort rechts durch die Tür gehen und der Beschilderung folgen.“
Das Apartment, das sie zugeteilt bekamen, lag oben an der Straße. Auf dem Weg dahin meinte Markus:
„Bis jetzt überzeugt mich das Hotel nicht gerade. Die Lobby ist ja toll. Doch hier…“
Er verwies auf die Mauer und die dahinter liegende Straße. Lärm vom vorüberrollenden Verkehr drang zu ihnen herüber. Anita sah es auch. Rechts waren die Zugänge zu den Zimmern. Es war ein mehrstöckiges Gebäude und zu jedem Zimmer im oberen Stockwerk führte eine Treppe. Links keine 5 Meter weiter endete das Grundstück an jener Mauer auf der auch noch ein Zaun thronte.
„Meine Kusine war begeistert. Warte doch erst mal ab wie das Zimmer ist. Da ist es ja schon. Jetzt bin ich gespannt.“
Anita wies auf einen Zugang im oberen Stockwerk. Über einige Stufen stiegen sie nach oben. Die Frau ließ ihrem Freund den Vortritt da er den Schlüssel hatte. Er schloss die Tür auf und öffnete sie. Dann betraten sie nacheinander den Raum. Die Taschen stellten sie gleich hinter der Tür mal ab.
Da der Balkon zum Innenhof hin angelegt war, war kein Autolärm zu hören. Das Zimmer hatte einen gesonderten Schlafteil mit einem Doppelbett. Der Wohnbereich war mit Couch, Sesseln, Tisch und Sideboard ausgestattet. Es gab auch eine kleine Einbauküche.
Anita war wieder hin und weg. Auch Markus war zufrieden gestellt.
"Es ist einfach herrlich. So schön hatte ich es mir gar nicht vorgestellt. Was meinst du?"
Markus kam gar nicht zum Antworten. Anita, die auf den Balkon gestürmt war, plapperte einfach weiter:
"Wow, sieh dir nur diese tolle Poollandschaft an. Die schönen Palmen drum herum. Weiter hinten ist sogar das Meer zu sehen. Lass uns nachher gleich mal zum Strand gehen."
"Ich möchte mir erst einmal etwas Leichteres anziehen", erwiderte Markus.
Er hatte immer noch seine lange Hose und ein langärmeliges Hemd an.
"Außerdem muss ich mich mit Sonnenöl eincremen. Du weißt, dass ich schnell einen Sonnenbrand bekomme. Du solltest dich auch lieber eincremen."
Als blonder Typ vertrug Markus nicht viel Sonne.
"Du hast recht. Lass uns aber gleich anschließend gehen. Auspacken können wir später auch noch."
Markus zog sich um. Da er die Klamotten aus seiner Tasche kramen musste, räumte er sie direkt in den Kleiderschrank. Ein weißes T-Shirt und beigefarbene Shorts zog er sich an.
Anita zog nur statt der Hose einen kurzen Rock an, der ebenfalls zu ihrem T-Shirt, das sie bereits trug, passte. Das Sonnenöl war schnell aufgetragen und so konnte es wenig später losgehen.
Eine Gasse führte zwischen dem Hotel und einer Ladenpassage zur Strandpromenade. Es ging leicht bergab. Von da aus führte dann ein Weg zwischen Welldachmauern zum Strand. Wie sie später erfuhren, sollte an der Strandpromenade auch noch eine Ladenzeile mit Boutiquen und Lokalen entstehen.
Am Strand waren viele Menschen. Anita zog ihre Sandalen aus und ging barfuss durch den Sand. Er war heiß und sie war froh als sie am Wasser ankam. Es spülte herrlich angenehm um ihre Füße. Sie nahm die Hand von Markus und so schlenderten sie am Wasser entlang. Leider war die Bucht künstlich angelegt und hörte nach fünfhundert Metern auf. Sie gingen ein Stück zurück und setzten sich dann in den Sand. Beide blickten auf das Meer und keiner wollte in diesem Augenblick etwas sagen.

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Sonntag, 10. Februar 2013
10. Kapitel

Die Boeing rollte gemütlich Richtung Startbahn. Anita hatte sich den Fensterplatz ausgesucht da sie das erste Mal flog und unbedingt viel sehen wollte. Das Symbol zum Anschnallen leuchtete auf. Nachdem die Frau den Gurt angelegt hatte schaute sie wieder aus dem Fenster. Das Flughafengebäude entfernte sich immer mehr. Dann machte die Maschine eine halbe Drehung. Sie hatte die Startbahn erreicht.
„Gleich geht es los“, meinte Markus nur und drückte ihre rechte Hand.
Kurz stoppte der Pilot die Maschine um sie dann auf volle Leistung zu bringen. Ein Aufheulen der Motoren war zu hören. Es war deutlich zu sehen wie das Flugzeug schnell an Geschwindigkeit zunahm. Anita spürte wie sie in den Sitz gedrückt wurde. Dann verloren die Räder den Bodenkontakt und die Boeing erhob sich in die Lüfte.
Fasziniert blickte Anita auf die Gebäude unter sich die immer kleiner wurden. Bald waren sie nicht mehr zu erkennen.
Der Pilot stellte sich und die Crew kurz vor, umriss die Flugroute und wünschte einen angenehmen Aufenthalt an Bord.
Der Flug verlief ruhig. Nachdem über die Bordmonitore die Sicherheitsvorkehrungen gezeigt worden waren, erlosch auch das Symbol zum Anschnallen. Markus löste seinen Gurt. Seine Freundin folgte seinem Beispiel. So hatten sie etwas mehr Bewegungsfreiheit, obwohl die Sitzreihen doch recht eng waren. Die Stewardessen servierten dann ein Frühstück, das aus einem kleinen Brötchen, Butter, etwas Wurst und Marmelade bestand. Besonders appetitlich sah das nun wirklich nicht aus. Enttäuscht sahen sich Markus und Anita an.
„Was möchten sie trinken“, fragte eine Stewardess, „wir haben Kaffee, Tee, Milch.“
„Zwei Kaffee bitte“, erwiderte Markus direkt, „oder möchtest du etwas anderes, Schatz?“
„Nein, Kaffe ist das was ich jetzt brauche.“
Ihnen wurden 2 Tassen mit heißem Kaffee überreicht. Dieser schmeckte überraschenderweise ausgezeichnet.
Über die Monitore wurde ein Unterhaltungsprogramm gespielt. Während des Fluges redeten die beiden junge Leute nicht viel miteinander. Markus hatte sich von einer der Stewardessen Kopfhörer für sich und seine Freundin geben lassen. Er hörte die ganze Zeit über Musik. Anita sah sich den Spielfilm an, der im Unterhaltungsprogramm angeboten wurde. Darauf konzentrieren konnte sie sich allerdings nicht. Ihr Blick schweifte oft aus dem Fenster. Bald schon überflogen sie die Alpen. Irgendwann döste sie etwas ein. Als sie wieder erwachte spähte sie aus dem Fenster und sah nur noch Meer unter sich. Wenig später bereits leuchtete wieder das Symbol zum Anschnallen auf. Inseln waren zu erkennen. Dann begann der Pilot mit dem Sinkflug.
Nach etwas über vier Stunden Flug landete die Maschine auf dem Airport Reina Sofia auf Teneriffa. Das Aufsetzten beherrschte der Pilot offensichtlich sehr gut. Die Boeing ruckelte nur wenig. Sofort wurden die Motoren gedrosselt und der Bremsmechanismus setzte ein. Langsam kam das Flugzeug zum Stehen.
Es dauerte noch etwas bis sie die Maschine verlassen konnten. Als es dann soweit war herrschte sofort dichtes Gedränge auf dem Mittelgang. So wartete das junge Paar noch etwas. Markus holte dann das Handgepäck aus den Staufächern über ihren Sitzen. Dann folgten sie den anderen Mitreisenden. Anita vernahm sofort eine frische Brise als sie das Flugzeug verließ. Eine Stewardess verabschiedete sie ebenso wie jeden anderen der von Bord ging. Bereit stehende Shuttlebusse brachten die Passagiere zum Flughafengebäude. Im Bus war es eng und stickig. Anita war froh als sie wieder Aussteigen konnte. Ihr stand ein dicklicher Mann gegenüber, der furchtbar nach Schweiß roch.
Im Flughafengebäude folgten sie wiederum der ganzen Menschenmenge zur Gepäckausgabe. Das war ein langes Fliesband, das in Hufeisenform die ganzen Koffer und Taschen an den wartenden Leuten vorbei schob.
„Da sind unsere Taschen ja schon“, meinte Markus und zeigte mit den Fingern der linken Hand drauf.
Seine Freundin erblickte sie auch. Kurz darauf konnten sie sich die Gepäckstücke vom Fließband nehmen.
Nachdem sie ihre Taschen hatten gingen die beiden jungen Leute auf den Parkplatz vor dem Flughafengebäude. Eine Mitarbeiterin von Neckermann-Reisen hatten sie zuvor gefragt in welchen Bus sie einsteigen mussten. Den Bus suchten sie nun.
Während sie den Parkplatz nach dem richtigen Bus absuchten, fiel Anita wieder auf wie frisch hier die Luft war. Eine leichte Brise wehte vom Meer her. Allerdings war es jetzt schon sehr warm. Anita hatte sich über ihrem T-Shirt eine leichte Weste übergezogen. Diese zog sie nun aus, da es ihr zu warm wurde. Die nächsten zwei Wochen würde sie genießen das stand für sie jedenfalls schon jetzt fest.
Den Bus hatten sie schnell gefunden und stiegen gleich ein nachdem sie Ihre Taschen dem Fahrer gegeben hatten, der sie im Gepäckraum des Busses verstaute. Es dauerte jedoch noch eine ganze Weile bis es losging. Noch eine Menge Leute stiegen zu. Wieder wurden sie von einer Mitarbeiterin der Reisegesellschaft begrüßt.

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Mittwoch, 6. Februar 2013
9. Kapitel

Endlich war es soweit. Der Tag der Abreise war für das junge Paar gekommen. Elke fuhr die Beiden zum Flughafen Stuttgart. Sie flogen schon sehr früh morgens. Da Anitas Freundin sich angeboten hatte sie zu fahren, musste Anita nicht ihre Eltern darum bitten so früh aufzustehen.
Bereits seit ein paar Tagen hatte die Frau sich Sachen für den Urlaub parat gelegt. Sie hatte Unmengen von Klamotten ausgesucht und wieder weggeräumt. Da sie das erste Mal auf die Kanaren flog, und auch das erste Mal mit ihrem Freund einen richtigen Urlaub verbringen würde, sollte alles stimmen. Überwiegend hatte sie leichte Sommerkleidung ausgewählt. Ihre Mutter ermahnte sie allerdings auch ein paar wärmere Kleidungsstücke für den Abend mitzunehmen. Bei den Schuhen sah es nicht anders aus.
Vor zwei Tagen war sie dann noch extra beim Friseur gewesen. Sie hatte sich die Haare auf Schulterlänge kürzen lassen. In ihr braunes, welliges Haar ließ sie sich auch ein paar helle Strähnen machen um diese noch aufzulockern.
Neben den ganzen Anziehsachen packte sie am Abend vorher noch allerlei Kosmetika ein. Bis alles gepackt war hatte sie eine große Reisetasche voll. Als Handgepäck hatte sie einen Sportrucksack von Adidas. Hier verstaute sie ihr Geld und alle wichtigen Papiere.
Pünktlich wurde sie von Elke abgeholt. Dann fuhren sie zu Markus. Er wartete schon vor der Tür. Der Mann verstaute seine zwei Taschen im Kofferraum von Elkes Auto und stieg ein. Gutgelaunt begrüßte er die beiden Frauen.
„Hoffentlich gibt es auf der Autobahn keinen Stau“, meinte er.
„Zumindest wird im Radio nichts gemeldet“, erwiderte Elke.
Sie hatte extra einen Regionalsender eingestellt um die Verkehrsnachrichten zu hören. So war es dann auch. Früher als geplant erreichten sie den Flughafen. Die Parkplatzsuche war auch kein Problem.
Da sie wussten, dass die Charterflüge im alten Terminal des Stuttgarter Flughafens abgefertigt wurden, gingen sie gemeinsam mit Elke in die Halle und schauten auf einer Tafel nach, an welchem Schalter sie einquecken mussten.
Markus entdeckte es als Erster und zeigte es den beiden Frauen.
"Es ist Schalter 57."
"Na, dann lass uns Mal dorthin gehen“, forderte Anita die anderen auf und schnappte sich wieder ihre Reisetasche. Elke hatte sich den Rucksack ihrer Freundin übergeworfen. Markus kam mit seinen zwei Gepäckstücken hinterher getrottet. Über eine Treppe ging es hinunter zu den Schaltern. Da war bereits eine Menge los. Unzählige Leute wuselten hin und her. Anita passte zwar auf, rumpelte jedoch mit ihrer Tasche einen Mann an.
„Können sie nicht aufpassen“, pflaumte er sie an.
„Entschuldigen sie vielmals“, bedauerte Anita und legte eine besänftigende Mine auf.
Der Mann ging wortlos davon.
"Wir müssen erst noch die Tickets am Neckermann-Schalter abholen", sagte Markus.
Dieser befand sich ebenfalls im alten Terminal. Elke hatte ihn bereits entdeckt und wies ihre beiden Freunde darauf hin. Durch die Menschenmenge suchten sie sich ihren Weg zum Schalter. Eine junge Dame begrüßte sie herzlich. Markus kramte die Reisebestätigung aus seiner kleineren Tasche und legte sie vor. Die Frau gegenüber nahm das Papier in Empfang und suchte ein paar Unterlagen durch. Dann überreichte sie die Flugscheine an Markus.
„Hier sind ihre Tickets für den Hin- und Rückflug und die Reservierung für das Hotel, Herr Walz. Ich wünsche ihnen und ihrer Begleiterin einen wunderschönen Urlaub mit Neckermann-Reisen“, sagte die Dame mit einem strahlenden Lächeln um sich dann bereits dem nächsten Reisenden hinter Markus zu widmen.
„Vielen Dank, auf Wiedersehen“, erwiderte Markus und verließ den Schalter. Elke und Anita hatten etwas entfernt neben ihm gewartet. Er ging zu ihnen hin und sagte:
„Hier sind die Tickets. Jetzt kann es los gehen.“
Jeder nahm wieder sein Gepäck und nun bahnten sie sich den Weg zu Schalter 57. Als sie dort ankamen wartete schon eine ganze Schlange von Menschen darauf, dass es endlich mit dem Check-in losging.
Elke wollte so lange nicht mehr warten, gab ihrer Freundin den Rucksack und verabschiedete sich von Anita und Markus, wünschte ihnen einen schönen Urlaub und verlangte, dass sie eine Karte bekam. Anita gab ihrer Freundin nochmals eine herzliche Umarmung und versprach ihr gleich zu schreiben.
Es dauerte eine ganze Weile bis das junge Paar an der Reihe war. Nachdem sie das große Gepäck aufgegeben hatten, mussten sie noch durch die Passkontrolle. Das Handgepäck wurde durchleuchtet. Keiner der Beamten wollte jedoch einen Ausweis von den Beiden sehen.
Bis der Flug aufgerufen werden würde, hatten sie noch Zeit. So schlenderten sie Arm in Arm durch die Abflughalle und gingen noch in einen Duty-Free-Shop. Dort kauften sie ein paar Naschereien für den Flug. Anita wollte sich auch gleich noch Parfüm kaufen. Markus sagte ihr aber, dass sie das auch in Spanien tun könne. Sie war damit einverstanden.
Eine halbe Stunde später wurde ihr Flug aufgerufen und sie gesellten sich zu den anderen Mitreisenden am Ausgang zur Gangway für den Flug nach Teneriffa.

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Sonntag, 3. Februar 2013
8. Kapitel

Die Zeit bis zu ihrem Reiseantritt konnte gar nicht schnell genug vergehen. Mit der Vorfreude in Gedanken ging die Arbeit Anita leicht von der Hand. Ihre Kollegen wunderten sich schon etwas wie enthusiastisch die junge Frau an die Arbeit ging. Ihr Chef war allerdings sehr froh darüber. So ging die Woche recht schnell vorüber.
Das Wetter hatte auch wieder auf Sommer gedreht. Nach Feierabend ging Anita oft noch ein Eis essen. Mit ihrem Freund telefonierte sie jeden Abend. Sie machten bereits Pläne was sie auf der Insel alles unternehmen wollten. Teneriffa hatte eine Vielfalt an Möglichkeiten zu bieten. Mit ihrer Kusine Petra telefonierte die Frau auch um sich noch weitere Tipps und Ratschläge einzuholen.
Am Freitag telefonierte sie dann mit Elke. Sie verabredeten sich für das Wochenende. Sie musste ihrer Freundin noch von dem geplanten Urlaub berichten. Die Blonde würde sich mit ihr freuen. Das war schon immer so. Die beiden Frauen waren immer die besten Freundinnen gewesen und jede teilte mit der anderen Freud und Leid. Das glaubte jedenfalls Anita. Für Sonntag war das Treffen bei Elke vereinbart.
Was Anita an diesem Tag von Elke zu hören bekam machte die Freude auf den Trip nach Teneriffa allerdings zunichte. Als sie gemütlich auf dem sonnigen Balkon bei einer Tasse Kaffee saßen erzählte Elke ihr, wie sie Markus in Calw getroffen hatte, ihm gefolgt war und ihn in der Spielhalle vor den Geldspielern sitzen sah.
Anita fiel es wie Schuppen von den Augen. Das war die Erklärung dafür, warum Markus nicht mehr viel Zeit für seine Freundin übrig hatte. Sie würde mit ihm darüber reden müssen. Für Anita war es unverständlich wie erwachsene Menschen in solche Apparate Geld werfen konnten. Billard oder Darts spielen das war für sie in Ordnung. Sie würde aber niemals in eine Spielhalle gehen um an Geldspielern ihr Geld loszuwerden. Dazu verdiente sie es sich zu hart.
"Jetzt habe ich dir die ganze Freude auf die Reise verdorben."
Elke sah die Enttäuschung im Gesicht ihrer Freundin. Das Strahlen in ihren dunkelblauen Augen war verschwunden.
"Du bist nicht schuld daran. Es ist wieder einmal Markus."
"Was wirst du jetzt tun?"
Elke bedauerte es schon etwas gesagt zu haben. Nun war es aber nicht mehr zu ändern. Sie wollte ihre Freundin aber nicht weiter in ihr Unglück rennen lassen.
"Ich werde ein sehr ernstes Gespräch mit Markus führen müssen. Wieder einmal."
Der Nachmittag war schon weit voran geschritten und die Sonne versank langsam hinter den Bergen. Als beide ihre Tassen leer getrunken hatten gingen sie ins Wohnzimmer. Anita trug heute einen luftigen kurzen Rock, der farblich zum roten Top passte. Draußen wurde es nun aber langsam frisch. Elke zog sich schnell etwas über. Sie hatte sich im Bikini gesonnt.
Die beiden Frauen verbrachten gemeinsam noch einen gemütlichen Abend. Sie plauderten beim Essen viel über alte Zeiten. Anekdoten vergangener Tage brachten sie zum Lachen. Anita schob so die neuen Probleme noch etwas von sich.
Am nächsten Abend hatte sie ein langes Gespräch mit Markus. Sie war zu ihm nach Hause gefahren. Die Frau wollte eine Unterredung Auge in Auge mit ihrem Freund.
Zuerst leugnete er überhaupt zu spielen. Er merkte aber, dass Anita immer wütender wurde. Leichte Zornesfalten tauchten in ihrem Gesicht auf.
Dann gestand er gelegentlich zu spielen. Das war seiner Freundin aber auch nicht genug. Sie wollte die ganze Wahrheit erfahren. Damit rückte er schließlich heraus. Er erzählte, dass er fast jeden Tag spielte. Alles hatte damit angefangen, dass er zusammen mit einem Freund in einer Halle in Stuttgart war. Dort hatte er nur so zum Spaß gespielt und einiges Geld gewonnen.
Das war der Anfang für Markus. Erst war es Faszination. Doch inzwischen war es zur Sucht geworden. Es war für ihn ein Zwang zu spielen. Anita warnte ihn sofort damit aufzuhören. Markus wollte auch, konnte aber nicht. Die Spielsucht hatte von ihm Besitz ergriffen. Er hoffte, dass ihn der Urlaub ablenken und ihn wieder davon abbringen würde.
"Alleine schaffe ich das wohl nicht mehr. Ich bin auf deine Hilfe angewiesen. Ich hoffe, du lässt mich nicht im Stich."
Zusammengesunken saß er auf der Couch. Anita hatte sich neben ihn gesetzt. Ein paar Tränen rannen über sein Gesicht. So verletzlich hatte sie ihren Freund noch nie erlebt. Bislang war er immer der Hüne für sie gewesen.
"Das werde ich nicht."
Zur Unterstreichung ihrer Worte küsste sie ihn. Es war eine der wenigen Zärtlichkeiten die sie in der letzten Zeit tauschten. Geschlafen hatte das junge Paar schon längeres nicht mehr miteinander.
'Das wird sich wieder ändern', nahm sich Anita vor.
Fast den ganzen Abend redeten die beiden jungen Leute über das Problem. Während des Gespräches merkte Anita wie sehr Markus abhängig geworden war. Dieses Mal würden sie es aber gemeinsam durchstehen.

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Freitag, 1. Februar 2013
7. Kapitel

Eine Woche später saßen die beiden jungen Leute im Reisebüro und waren bereit eine Reise zu buchen.
Für Anita war es kein Problem Urlaub zu bekommen. Da sie in der letzten Zeit sehr viel gearbeitet und auch Überstunden geleistet hatte, fand ihr Chef es in Ordnung, dass sie nun Urlaub beantragte. Zudem war die Auftragsspitze, die abzuarbeiten war, erreicht und es kamen im Geschäft wieder etwas ruhigere Zeiten. Die Frau bedankte sich herzlich bei ihrem Vorgesetzten, dass es so kurzfristig möglich war.
Ganz so einfach, wie er gedacht hatte, war es für Markus nun doch nicht. Nach ein paar Gesprächen ging sein Urlaubsantrag aber dann doch in Ordnung.
Während sie nun im Reisebüro saßen und der Mann ihnen gegenüber gerade das Hotel für sie heraus suchte, schweifte der Blick von Anita durch den Raum. An der hinteren Wand waren die ganzen Kataloge ausgestellt. Auf den Regalen waren alle möglichen Urlaubserinnerungen verteilt. Flaschen mit Sand, Muscheln und einige Tonfiguren. Sie war etwas aufgeregt. Bisher hatte sie noch nie eine Flugreise unternommen. Das sollte das erste Mal werden. Von Ihrem Freund wusste sie, dass er bereits schon einmal geflogen war.
Er hatte ihr damals nach seinem Urlaub ausführlich den Flug geschildert. Was für ein tolles Gefühl es wäre sich in die Lüfte zu erheben und die Welt unter sich zu lassen. Dieses Gefühl wollte Anita nun auch erleben.
"Es war das Sol Sun Beach in Las Americas sagten sie", wollte der Braunhaarige wissen.
"Ja, genau das ist es", antwortete Anita mit einem Lächeln.
"Hier haben wir es schon. Es gibt mehrere Veranstalter, die das Hotel im Angebot haben. Wann wollten sie denn fliegen?"
"Am 28. Juni", antwortete Markus kurz und bündig.
„Da müssen wir mal sehen. Von welchem Flughafen aus soll es auf die Reise gehen?“
„Am liebsten wäre uns von Stuttgart aus“, meinte Anita, „die Anfahrt wäre nicht so weit und meine Eltern könnten uns dorthin bringen und auch wieder abholen.“
"Ich hoffe für sie, dass es noch geht“, erwiderte der Reiseexperte und begann weitere Daten in den Computer einzugeben. Nachdem der Mann alle Daten vollständig erfasst hatte, wartete er kurz bis Alles verarbeitet war.
"Sie haben Glück. Das geht noch. Es gibt sogar ein kostengünstiges Last-Minute-Angebot. Vorausgesetzt der Veranstalter ist ihnen egal."
„Mir ist nur das Hotel wichtig. Meine Kusine war schon dort und war von dem Hotel absolut begeistert.“
„Das kann ich bestätigen. Das Hotel und die Anlage kenne ich auch“, meinte der Kaufmann.
Der junge Mann zeigte ihnen das Angebot in einem Katalog. Die Bilder überzeugten das Pärchen und sie waren damit einverstanden. Zudem war die Reise sogar etwas günstiger als sie gerechnet hatten und so buchte der Mann die Reise für die Beiden. Sie würden bereits in zwei Wochen fliegen.
"Da sie so kurzfristig fliegen bekommen sie ihre Flugtickets am Flughafen. Normalerweise werden sie zugeschickt, jedoch ist die Zeit etwas zu knapp."
Der Mann erklärte den Beiden den weiteren Ablauf der Buchung und auch wie sie an die Flugscheine für die Reise kommen. Anita und Markus bedankten sich noch recht herzlich. Markus nahm die Buchungsunterlagen die ihm der Mann gab in Empfang. Dann standen sie auf, verabschiedeten sich und gingen zur Tür. Markus öffnete sie und ließ seiner Freundin den Vortritt. Beim Verlassen des Reisebüros wurde ihnen noch eine gute Reise gewünscht.

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Dienstag, 29. Januar 2013
6. Kapitel

Die Woche begann bewölkt. Anita wollte eigentlich mit dem Bus zur Arbeit fahren, beschloss aber dann doch das Auto zu nehmen. Seit sie den Führerschein hatte fuhr sie nur noch selten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Fahrt zur Arbeit dauerte nicht mehr so lange und sie musste auch nicht immer auf den Bus warten, war somit unabhängig von irgendwelchen Fahrplänen.
Markus hatte zusammen mit ihr den Führerschein gemacht. Beide bestanden die Prüfung damals auf Anhieb. Sie hatten auch ganz schön hart dafür gebüffelt. Mit der Theorie gab es für die Frau keine Probleme. Anita hatte auch extra ein paar Fahrstunden mehr genommen um bei der praktischen Prüfung ebenfalls ganz sicher zu sein. In den letzten beiden Fahrstunden vor der Prüfung allerdings gelang ihr das Anfahren am Berg überhaupt nicht mehr. Nicht nur sie - auch ihr Fahrlehrer war am verzweifeln. Schließlich gab er auf und bat Anita es nicht weiter zu versuchen.
Das war heute alles Vergessen. Anfahren am Berg musste sie bei der Praxisprüfung seinerzeit nicht und so bestand sie diese auch ohne Fehlerpunkte. Ihre Eltern waren stolz auf sie und umso größer war die Überraschung für Anita gewesen. Von ihrem Vater hatte die Frau ein Auto geschenkt bekommen. Das konnte sie fast nicht glauben.
Den ganzen Tag über blieb es bewölkt und recht kühl. Anita war froh als sie nach Feierabend schnell Zuhause war. Oft ging sie nach der Arbeit noch ein wenig in Calw bummeln, jedoch nicht heute.
Am Abend kam überraschend Markus bei ihr vorbei. Er brachte ihr einen Strauß Blumen mit. Sie war immer noch etwas sauer auf ihn. Der Blumenstrauß allerdings erweichte ihr Herz. Es waren ein Dutzend sonnenscheingelber Rosen. Sie mochte leuchtende Farben. Gerne nahm sie die Blumen entgegen.
Markus folgte Anita und machte es sich auf der Couch gemütlich. Seine Freundin während dessen ging in die Küche um die wunderschönen Rosen ins Wasser zu stellen. Schnell hatte sie eine passende Vase aus einem der Schränke geholt und die Blumen darin arrangiert. Damit kam sie ins Wohnzimmer zurück und stellte das Ganze auf ein Sideboard neben dem Zugang zur Küche.
"Es tut mir leid, dass ich gestern nicht gekommen bin, aber ich hatte es total vergessen“, begann Markus kam aber nicht weiter.
Anita fuhr erbost dazwischen. Die paar Worte von ihrem Freund reichten um sie wieder wütend werden zu lassen. Sie wirbelte herum.
"Total vergessen. Wie kannst du von einem Tag auf den anderen eine Verabredung vergessen? Ich verstehe dich nicht. Was ist in letzter Zeit mit dir los?"
Markus stand von der Couch auf und ging zum Fenster.
"Es ist immer noch bewölkt. Wollen wir trotzdem einen Spaziergang machen?"
"Du weichst mir aus. Aber bitte, wie du möchtest. Machen wir einen Spaziergang."
Markus starrte weiter aus dem Fenster. Seiner Freundin mochte er im Augenblick nicht in die Augen sehen.
Nachdem Anita ihre Jacke von der Garderobe genommen hatte zog sie sich noch ein paar Turnschuhe an.
„Kommst du“, rief sie Markus zu.
Dann verließen sie schweigend die Wohnung und gingen in Richtung Wald.
"Gehen wir zum Sportplatz und zurück", meinte Markus.
Dieser lag ein Stück im Wald. Eine schmale asphaltierte Straße führte dorthin. Anita hakte sich bei ihrem Freund ein. Wenn sie sich jetzt nur anschreien und streiten würden brächte das keine Lösung, das war Anita klar. Sie versuchte es auf der sanften Tour.
"Du, wir müssen unbedingt über unsere Beziehung reden", begann sie ein Gespräch.
"Wie du meinst", antwortete ihr Freund.
"Vieles läuft nicht mehr so wie es sollte. Schon seit der Sache damals."
"Fängst du wieder damit an. Es ist vorbei. Ich habe meine Lektion gelernt. Ich meine es war scheiße, dass ich geklaut habe. Wahrscheinlich war es ganz gut, dass du mich verpfiffen hast. Nur so konnte ich davon geheilt werden."
Während er das sagte, begann er zu grinsen.
"Nun ziehe es nicht ins Lächerliche. Ich möchte die alte Geschichte auch gar nicht wieder aufwärmen. Es geht mir um etwas anderes. Irgendetwas hat sich zwischen uns verändert. Ich meine ich mag dich noch immer aber..."
Markus schien nicht sonderlich an dieser Unterhaltung interessiert zu sein. Das merkte auch Anita. Diesmal würde sie aber nicht locker lassen. Sie musste endlich Klarheit schaffen.
Markus unterbrach seine Freundin:
"Dann ist ja alles in Ordnung. Ich liebe dich und das ist doch das Wichtigste oder meinst du etwa nicht?"
"Natürlich und trotzdem gibt es etwas das mich stört. Es entzweit uns immer mehr. Wenn wir nicht dagegen angehen wird es unsere Freundschaft früher oder später zerstören."
"Ich weiß nicht, was das sein könnte. Okay - ich hatte in den letzten Wochen wenig Zeit für dich. Doch das werde ich ändern. Das verspreche ich hiermit."
"Darum möchte ich auch bitten. Du hast mich in letzter Zeit häufig genug versetzt."
"Das tut mir leid."
Das Paar ging ein paar Minuten schweigend weiter. Über ihnen, in den Zweigen der Bäume, zwitscherten einige Vögel. Es war romantisch. Wie liebte Anita es doch in der Natur spazieren zu gehen.
Dann unterbrach Markus das Schweigen:
"Was hältst du davon, wenn wir zusammen in Urlaub fliegen?"
Das war überraschend für die Frau. Anita hatte daran noch nicht gedacht. Die beiden jungen Leute hatten ja noch nicht viel Geld gespart.
Ein Flug wäre sicher teuer, dachte Anita.
"Das wäre toll. Urlaub täte uns mit Sicherheit gut. Es wäre eine gute Möglichkeit, dass wir wieder näher zueinander finden. Ich müsste aber erst im Geschäft fragen, ob ich Urlaub bekomme. Das dürfte aber kein Problem sein. Wie sieht das bei dir aus?"
"Du weißt, dass es bei mir chaotisch zugeht. Ich kann aber Urlaub nehmen, wenn ich möchte."
"Das ist wirklich toll", entgegnete Anita und drückte ihrem Freund einen Kuss auf die Wange.
Mit einem Gefühl des Glücks ging die junge Frau am Arm ihres Freundes weiter. Er nahm sie fester an seine Seite.
"Wenn ich morgen Alles abgeklärt habe, können wir gleich ins Reisebüro gehen und buchen."
"Das geht in Ordnung", erwiderte Markus, "du kannst dir schon einmal überlegen wohin wir fahren wollen."
"Oh, das weiß ich schon."
Markus blieb abrupt stehen und sah Anita verwundert an.
"Du weißt das schon. Das ist ja gerade so, als hättest du gewusst, dass ich vorschlage in Urlaub zu fahren."
"Nein das stimmt nicht. Ich wollte aber schon immer einmal nach Teneriffa fliegen. Meine Kusine war vor zwei Jahren dort. Es hat ihr super gut gefallen."
Markus war mit dem Vorschlag einverstanden. Er hatte schon viel über die Kanaren gehört und wollte auch hin. Bis jetzt war er nur einmal auf Mallorca gewesen.
"Ich rufe nachher gleich noch Petra an. Sie soll mir sagen in was für einem Hotel sie gewesen ist. Ich weiß nicht mehr wie es hieß - aber dass es ihr sehr gut gefallen."
"Das machst du", sagte Markus nur noch und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln.
Endlich hatte Anita wieder etwas auf das sie sich freuen konnte. Auf einmal war die Eintönigkeit, die in ihr Leben getreten war, mit einem Wisch verschwunden.

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Sonntag, 27. Januar 2013
5. Kapitel

Eigentlich wollte Elke schon bei Anita anrufen. Doch dann fiel ihr ein, dass die Frau sich heute mit Markus treffen wollte. Sie konnte ihre Freundin nicht verstehen. Was Anita ihr gestern nochmals in Einzelheiten berichtet hatte war schockierend für sie. Eigentlich hatte sie von ihrer Freundin mehr erwartet als dass sie Markus verzeihen würde. Sie hatte ihn schließlich verraten. Später ihm verziehen. Warum aber nur? Anita hätte auch einen anderen Mann haben können. Sie sah nicht schlecht aus - hatte eine gute Figur.
Elke war vor ihren Problemen aus Freiburg geflüchtet, anstatt sich ihnen zu stellen. Dafür musste sie Anita bewundern. Die Frau stellte sich dem Leben.
'Das muss sie wissen', dachte sich Elke noch. Dann verschwendete sie keinen weiteren Gedanken daran.
Um den sonnigen Tag zu genießen wollte sie nach Calw fahren. In der kleinen Stadt war sie schon seit langem nicht mehr gewesen. Sie wollte sehen ob sich etwas verändert hatte. Also setzte sie sich in ihr Auto und fuhr über Oberreichenbach und Hirsau nach Calw. Dort angekommen stellte sie ihren Wagen auf dem Parkplatz in der Nähe des Kinos ab. Es war endgültig geschlossen worden. Das wunderte die Frau auch nicht. Sie hatte sich vor langer Zeit das letzte Mal einen Film dort angesehen. Das Bild war miserabel und der Ton war nicht viel besser.
Ihre Sommerjacke ließ sie im Auto liegen. Es war herrlich warm und sonnig. Sie verließ den Parkplatz und ging über die Brühlbrücke in die Lederstraße. Die Straße war inzwischen zur verkehrsberuhigten Zone erklärt worden. Das empfand Elke als sehr angenehm. So etwas war sie von Freiburg her gewohnt. Nun schlenderte die junge Frau an den Geschäften vorbei und betrachtete die Auslagen in den Schaufenstern. In einem Cafe in der Nähe des Marktplatzes setzte sie sich hin und bestellte sich ein Eis. Sie wunderte sich, dass das Lokal nur an wenigen Tischen besetzt war.
Nachdem sie in Ruhe das Eis genossen und bezahlt hatte ging sie weiter. Sie wandelte über den Marktplatz und kam an einer Bank vorbei. Gerade kam ein Kunde heraus. Er hatte wohl gerade am Bankomaten Geld abgehoben. Eigentlich hätte sie den Mann nicht weiter beachtet, wenn es nicht Markus gewesen wäre. Sie erkannte ihn sofort. Nicht nur, weil er der Freund von Anita war, sondern auch weil er in derselben Schulklasse wie sie gewesen war. Er kam auf sie zu.
"Hallo Markus", grüßte Elke ihn.
Er schien überrascht zu sein. Nein, nicht überrascht. Es schien ihm peinlich zu sein Elke zu begegnen. Es war als hätte sie ihn bei etwas überrascht, das besser unentdeckt geblieben wäre.
"Grüß’ dich Elke", sagte er nur und ging mit gesenktem Kopf weiter.
"Das ist ja merkwürdig", flüsterte Elke vor sich hin, "ich muss wissen, wohin er geht."
Die Frau spielte gerne Privatdetektivin. Es war ein Hobby dem sie gerne frönte.
Sie drehte sich um und blickte Markus nach, der gerade um eine Ecke verschwand. Elke ging ihm hinterher. An der Ecke blieb sie kurz stehen und lugte drum herum. Er verschwand in einem Haus. Sie ging darauf zu und erkannte sofort, dass es sich um eine Spielhalle handelte. Das kam ihr nicht weiter merkwürdig vor und sie ging daran vorüber. Im Vorbeigehen blickte sie durch die geöffnete Tür und sah wie er vor einem Geldspielgerät saß. Die Frau konnte nicht verstehen, was die Leute daran fanden an solchen Geräten zu spielen, verurteilte sie aber nicht.
Elke wunderte sich allerdings darüber, dass Anita nicht bei ihm war. Eigentlich wollten die Beiden sich heute treffen. Das war merkwürdig. Sie überlegte sich ob sie zu Markus hingehen und nachfragen sollte, ob etwas passiert war. Sie war schon drauf und dran die Spielhalle zu betreten, da überlegte sie es sich doch noch einmal anders. Statt das Gebäude zu betreten wandte sie sich um und ging weiter. Über eine schmale Gasse gelangte sie auf die Lederstraße. Immer wieder kamen alte Erinnerungen und Erlebnisse in ihr Gedächtnis. Markus hatte sie bald vergessen.
Calw war ein kleines Städtchen und so kehrte sie schließlich zum Parkplatz zurück. Sie machte sich auf den Weg nach Hause. Dort gab es immer noch viel Arbeit. Trotz der Hilfe von Anita war noch einiges in der Küche zu tun. Das wollte sie nach einer gemütlichen Tasse Kaffee in Angriff nehmen.

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Freitag, 25. Januar 2013
4. Kapitel

'Das darf doch nicht wahr sein' dachte Anita.
Markus war bis zum Mittag nicht gekommen, hatte auch nichts von sich hören lassen. Sie hatte bei ihm angerufen, doch er meldete sich nicht. Jetzt war es bereits nach dreizehn Uhr. Aufgeregt ging die Frau in ihrer Wohnung auf und ab. Sie kam ins Grübeln.
Das war nicht das erste Mal, dass dies geschah. In letzter Zeit kam es immer häufiger vor. Anita wurde sauer. Sie wusste nicht wieso sie immer noch mit Markus zusammen war. Seit er damals die Diebstähle begangen hatte, war es nie wieder so geworden wie es einst gewesen war.
Sie hatte sich seinerzeit in den blonden Jungen mit den blauen Augen verliebt. Sie glaubte ihn immer lieben zu können.
Was Markus über die Beziehung dachte wusste sie nicht genau. Er meinte, sie würde ihm für immer treu sein. Ihn immer lieben. Daran gab es bis jetzt auch noch keine Zweifel. Ihre Liebe hatte seine Dummheit mit den Diebstählen überstanden.
'Es wird Zeit, dass wir einmal ein ernstes Gespräch über unsere Beziehung und über unser weiteres Leben führen.'
So wie es im Moment mit ihnen lief konnte es nicht weiter gehen. Anita machte sich wirklich ernste Gedanken. Sollte Elke am Ende Recht haben. Ihre Freundin hatte Zweifel in ihr aufkeimen lassen. Zweifel daran, ob Markus immer offen und ehrlich zu ihr war.
Für den heutigen Tag hatte sie nun keine weiteren Pläne mehr. Sie hatte sich für einen Sonntagsausflug gerichtet und wollte nun nicht den ganzen Tag zuhause verbringen. Auf gut Glück rief sie bei ihrer Kusine an. Anita hatte Glück. Petra war zu Hause und freute sich auf den Anruf. Die Frau war bereits verheiratet und hatte auch schon zwei Kinder - Zwillinge. Sie lud Anita zum Kaffee ein.
Den Weg nach Hirsau nahm Anita gerne in Kauf um noch etwas raus zu kommen. Sie würden sicherlich noch einen kleinen Spaziergang machen. Das würde ihr gut tun und sie würde wieder auf andere Gedanken kommen.

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Donnerstag, 24. Januar 2013
3. Kapitel

Kurz vor elf Uhr traf Anita in Höfen ein. Sie hatte das Haus in dem Elke eine Wohnung angemietet hatte nicht sofort gefunden. Sie musste sich erst durchfragen. Ihren roten VW Polo stellte die Frau am Bürgersteigrand ab, stieg aus und schloss den Wagen ab. Dann begutachtete Anita das Haus. Es war ein Neubau, vielleicht zwei Jahre alt. Sie schätzte, dass es sechs Wohnungen hatte. Über einen schmalen Schotterweg schritt sie auf den Eingang zu. Sie schaute sich gerade die Namen auf den Namensschildern an - es waren tatsächlich sechs - als die Tür aufging und eine ältere Frau heraus trat.
"Guten Morgen junge Dame", sagte die Frau, "kann ich ihnen helfen?"
Anita hatte nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet in diesem Augenblick jemand aus dem Haus kam und erschrak als die Tür geöffnet wurde.
"Das können sie tatsächlich. Meine Freundin Elke Müller ist hier kürzlich eingezogen."
Die Grauhaarige wusste sofort um wen es sich handelte.
"Aber natürlich. Sie meinen das junge Ding aus Wohnung fünf. Das ist oben unterm Dach. Ich fürchte allerdings, dass sie im Moment nicht da ist. Ich habe sie vor einer halben Stunde aus dem Haus gehen sehen. Bis jetzt ist sie noch nicht wieder zurück gekommen."
Anita sagte der Frau, dass sie mit ihrer Freundin verabredet sei.
"Vielleicht klingeln sie besser mal. Es kann auch sein, dass ich nicht mitbekommen habe, dass sie zurück gekommen ist."
Die Frau wandte sich Richtung Straße und wollte gerade weiter gehen da drehte sie sich nochmals um und sagte:
"Ihr Auto steht nicht da. Dann ist sie doch noch unterwegs."
"Ich danke Ihnen Frau...."
"Gießler."
"Frau Gießler. Da muss ich wohl warten. Ich möchte meiner Freundin noch etwas beim Herrichten der Wohnung helfen. Ich habe es ihr versprochen."
Sie wünschte der Frau, die nun weiter ging, noch einen schönen Tag und ging zum Auto zurück. Die alte Frau ging gemächlich den Gehweg entlang. Anita schaute ihr hinterher.
Wenig später bog ein Auto um die Ecke. Es war Elke mit ihrem Wagen. Sie parkte hinter Anita. Die beiden Frauen begrüßten sich und gingen zum Haus.
"Hallo. Ich hoffe du hast nicht allzu lange gewartet. Ich musste noch ein paar Sachen besorgen. Allerdings habe ich ziemlich gebummelt."
"Das ist nicht so schlimm", beteuerte Anita, "so habe ich wenigstens gleich eine deiner Nachbarinnen kennen gelernt. Frau Gießler heißt die Dame. Eine nette Person."
"Ja, sie ist sehr freundlich. Vorgestern war ich schon zum Kaffee bei ihr eingeladen."
Elke schloss die Eingangstür auf und ging hinein.
„Allerdings glaube ich, dass sie mich auch mustern wollte.“
Anita trat durch die Tür die ihr ihre Freundin aufhielt.
"Hey, ich dachte du hättest eingekauft. Wo sind denn die ganzen Sachen?"
"Im Auto. Die können wir später aber auch noch holen. Jetzt komm' erst mal mit rauf."
"Wie du meinst."
„Was ist eigentlich mit Markus“, wollte Elke wissen, „kommt er noch oder was ist los?“
Anita stieß einen kurzen Seufzer aus.
„Er wollte nicht helfen. Im Moment ist es schlimm mit ihm. Zurzeit hat er gar keinen Antrieb. Das liegt bestimmt an seiner Arbeit“, spielte Anita die Situation herunter.
„Ob das mal stimmt“, entgegnete ihre Freundin nur.
Das Treppenhaus war großzügig angelegt. Zwei Etagen mussten sie hoch steigen. Nr. 5 lag auf der linken Seite. Elke schloss die Wohnungstür auf und ließ Anita eintreten.
"Als Erstes mache ich eine kurze Führung mit dir. Ich meine viel gibt es nicht zu sehen. Es ist nur eine 2-Zimmer-Wohnung."
Nach der kurzen Besichtigung gingen sie auf den Balkon. Es war ein sonniger Junitag und bevor sie mit der Arbeit anfangen wollten, tranken sie noch einen kalten Schluck Limonade.
"Die ganzen Regale und Schränke müssen noch eingeräumt werden. Außerdem möchte ich noch das Schlafzimmer neu streichen. Das mache ich aber nächste Woche, da ich erst Farbe kaufen muss."
"Soll mir recht sein. Die Wohnung gefällt mir übrigens sehr gut. So schön hell und sonnig."
"Ja das ist sie, und die Miete ist für mich auch bezahlbar. Lass uns jetzt aber lieber mal anfangen. Es gibt sehr viel zu tun."
"Dann lass' es uns anpacken", sagte Anita und stand auf.
Stundenlang waren die beiden Frauen damit beschäftigt die Kartons, die überall verstreut herum standen in die Schränke und die Regale einzuräumen. Zwischendurch aßen sie eine Kleinigkeit zu Mittag. Als sie endlich fertig waren zeigte die Uhr schon Vier.
"Endlich geschafft", sagte Elke, "ich bin froh, dass du mir geholfen hast."
"Das habe ich gern getan."
Sie setzten sich noch ein Weile auf den Balkon. Am Abend lud Elke ihre Freundin zum Essen ein. Sie meinte als Lohn für ihre Hilfe.
Danach fuhr Anita nach Hause. Sie war doch erschöpft und war froh als sie in Würzbach ankam. Es waren zwar nur fünfzehn Kilometer zu fahren, dennoch war sie froh. An diesem Abend ging sie schon früh zu Bett.

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Dienstag, 22. Januar 2013
2. Kapitel

Am nächsten Morgen telefonierte Anita mit Markus. Sie bat ihn zu sich. Kurz nach 10 Uhr erschien er bei ihr. Sie öffnete ihm die Tür.
"Guten Morgen", hauchte sie ihm unter der Türschwelle ins Ohr und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
"Guten Morgen, mein Schatz", erwiderte er und drückte sie kurz an sich. Er wollte ihr einen Kuss auf die Lippen drücken, doch Anita hatte sich schon wieder abgewandt.
"Ich hab Frühstück gemacht. Komm' doch rein."
"Wie komme ich zu dieser Ehre."
Markus trippelte seiner Freundin nach. Die Wohnungstür fiel hinter ihm in Schloss. Obwohl die beiden jungen Leute schon sehr lange zusammen waren kam es selten vor, dass sie gemeinsam frühstückten. Das lag aber nicht an Anita. Sie war eigentlich froh wenn sie jemanden hatte mit dem sie gemeinsam essen konnte. Oft aß sie noch bei ihren Eltern. Dazu musste sie nur in die Wohnung gegenüber.
"Du hast etwas Böses mit mir vor. Gib es zu."
"Warte es erst einmal ab."
Anita gab sich noch geheimnisvoll.
Markus folgte seiner Freundin weiter durch den Wohnraum in die kleine Küche. Er nahm dort am Bistrotisch Platz. Es standen jede Menge Lebensmittel darauf und es duftete nach Kaffee. In einen Korb standen frische Brötchen bereit. In aller Frühe war Anita beim örtlichen Bäcker gewesen um sie zu holen.
"Es gibt einen besonderen Grund wieso ich dich angerufen habe."
"Das habe ich gewusst", strotzte Markus.
Anita ging auf die Bemerkung nicht ein und redete weiter:
"Elke ist aus Freiburg zurück gekommen. Sie hat eine Arbeitsstelle in Pforzheim bekommen und wohnt jetzt in Höfen."
"In dem Kaff. Ich glaube in Freiburg hatte sie es schöner."
"Ach, du nun wieder. Also ich finde es toll, dass sie wieder in der Nähe wohnt."
"Ich weiß, ihr wart ja schon in der Schule die besten Freundinnen. Ich meinte auch nur, dass sie in Höfen kaum Möglichkeiten zum Einkaufen hat. Wenn sie schon in Pforzheim arbeitet hätte sie sich besser dort eine Wohnung genommen."
"Das stimmt schon – aber die Miete muss bezahlbar sein. Jedenfalls ist sie noch mit renovieren beschäftigt und ich habe ihr angeboten zu helfen. Würdest du denn auch helfen?"
Markus unterbrach sie ziemlich wirsch:
"Du kannst ihr ja helfen. Ich habe heute etwas Besseres vor."
Anita zuckte vor Schreck zusammen. Mit so einer Reaktion von Markus hatte sie nicht gerechnet.
"Du brauchst mich nicht so anzufahren. Keiner zwingt dich dazu. Es war ja nur eine Frage."
"Entschuldige ich wollte dich nicht anfahren. Es ist aber so, dass es im Geschäft ziemlich chaotisch zugeht und ich froh bin, wenn ich am Wochenende ausspannen kann."
Anita sah ihn etwas ungläubig an. Das ging nun schon seit ein paar Wochen so. Er hatte nie Lust weg zu gehen und immer schob er es auf seine Arbeitsstelle. Meistens saßen sie nur zusammen auf der Couch und sahen sich Videofilme an. Das gefiel ihr auf Dauer nicht und so gingen sie öfters auch getrennte Wege. Das war mit Grund dafür, dass sie noch keine gemeinsame Wohnung hatten.
Die Frau hatte sich inzwischen gesetzt und nahm sich eines der Brötchen aus dem Korb.
"Wie du meinst. Ich helfe ihr auf jeden Fall."
"Okay, das finde ich gut. Kann ich bitte noch eine Tasse Kaffee haben."
"Sicher."
Das Gespräch verstummte. Anita war von Markus etwas enttäuscht. Er kannte Elke ja auch schon seit ihrer gemeinsamen Schulzeit. Sie unterdrückte die Enttäuschung und fing wieder ein Gespräch an. Leider floss es nur zäh dahin.
Das Pärchen frühstückte zu Ende. Markus verabschiedete sich eine halbe Stunde später schon wieder und versprach am nächsten Tag vorbei zu kommen. Sie wollten einen Sonntagsausflug machen.
Nachdem ihr Freund weg war räumte die Frau den Frühstücktisch ab. Die Lebensmittel verstaute sie wieder im Kühlschrank und in dem Vorratsschrank neben dem Backofen. Das Geschirr spülte sie noch schnell, trocknete es ab und verstaute Alles an seinem Platz. Sie wollte es nicht am Abend, wenn sie zurück kam, noch rum stehen haben. Danach machte sie sich auf den Weg zu ihrer Freundin. Vorher schaute sie noch kurz bei ihrer Mutter vorbei.

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