Freitag, 5. April 2013
29. Kapitel

Überstürzt war sie aufgebrochen. Auf dem Weg nach Hause ging Anita alles noch einmal durch den Kopf. Sie konnte noch immer nicht fassen was ihr Elke erzählt hatte. War sie so blind gewesen, dass sie nichts bemerkt hatte? Je länger Anita darüber nachdachte desto logischer wurde ihr aber alles. Das seltsame Verhalten, das Markus manchmal an de Tag gelegt hatte. Jetzt war ihr auch klar wieso er oft alleine unterwegs war und sie nicht dabei haben wollte.
Wie aber war auf die schiefe Bahn geraten? Nach ihrem Urlaub war die Welt doch völlig in Ordnung. Er hatte seine Spielsucht überwunden. Die Zeit war reif für eine gemeinsame Zukunft. Gekrönt wurde das durch ihre Schwangerschaft. Wie sehr hatten sich Beide auf das Baby gefreut, hatten Pläne als Familie geschmiedet. In einer einzigen Nacht wurde dieses Glück zerstört. Nicht durch ein Unglück von Außen, sondern von Innen heraus. Die Erinnerungen an die Schmerzen und Verletzungen kamen in ihr Gedächtnis zurück.
Sie musste auch an ihr verlorenes Kind denken. Tränen stiegen in ihren Augen auf und vernebelten ihren Blick. Beinahe fuhr Anita deswegen in den Straßengraben. Der Schotter am Rand rüttelte sie jedoch wach. Erschrocken zuckte sie zusammen und riss das Steuer nach links. Ihr Herz raste, das Blut pulsierte.
'Meine Güte. Das hätte gerade noch gefehlt, dass ich wegen diesem Idioten in den Straßengraben fahre.'
Wut auf Markus stieg wieder in ihr hoch. Sie wischte sich die Tränen mit dem linken Jackenärmel weg. Aufmerksamer fuhr sie weiter. Stärkerer Regen setzte wieder ein und Anita fuhr etwas langsamer. Laub lag auf der Straße und zusammen mit dem Regen konnte es stellenweise gefährlich rutschig sein. Sie kam dennoch heil in Würzbach an. Ihren Polo parkte sie vor dem Haus auf dem Stellplatz. Im Erdgeschoß brannte noch Licht. Ihre Mutter war also noch auf. Ihr Vater war bei der Arbeit. Er hatte Nachtschicht.
Der Regen wurde immer heftiger und so rannte Anita von ihrem Auto zur Haustür. Den Schlüssel kramte sie nebenher aus der Jackentasche. Sie brauchte ihn aber nicht. Ihre Mutter öffnete ihr die Tür.
"Was ist denn geschehen. Elke hat mich vorhin angerufen. Sie war ganz aufgeregt, hat mir aber nicht gesagt was vorgefallen ist."
"Ich möchte jetzt nicht darüber reden", sagte Anita während sie ihre nasse Jacke auszog.
"Es ist wegen Markus, nicht wahr."
"Bitte Mutter!"
Anita ging direkt in ihr Zimmer. Gerda folgte ihr nicht. Sie hatte begriffen, dass ihre Tochter jetzt nicht mit ihr reden wollte. Wieder einmal. In den letzten Tagen führten sie keine langen Gespräche. Anita weinte sich nicht mehr bei ihr aus. Das beunruhigte sie. Es war nicht gut, wenn ihre Tochter Alles in sich hinein fraß.
Anita schloss die Tür hinter sich ab, da sie unbedingt ihre Ruhe haben wollte. Ihre Mutter wollte sie nicht so anschnauzen, konnte sich bei ihr im Moment aber auch nicht entschuldigen. Dafür war sie immer noch zu aufgebracht.
Sie fasste den Entschluss noch einmal mit Markus zu reden. Was sie ihm sagen wollte, wusste sie bis dahin noch nicht. Das würde Anita erst wissen, wenn sie mit dem Mann sprach, den sie einst geliebt und der ihr so viel Leid zugefügt hatte. Das Gespräch war aber auch überfällig. Nur so konnte sie einen endgültigen Schlussstrich unter die Freundschaft ziehen. Ein Zurück würde es niemals geben. Das stand für Anita fest.

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