Freitag, 18. Januar 2013
Verspielte Träume

1. Kapitel

Bereits seit ein paar Wochen war Anitas Freundin Elke wieder aus Freiburg zurück. Die Frau hatte in der Nähe Arbeit gefunden.
Dies sei der Grund, warum sie wieder zurück gekommen sei, gab sie an. Das stimmte aber nicht. Eine enttäuschte Liebe war der wahre Grund für ihre Rückkehr. Das verriet die Blonde aber nicht. Zumindest zu diesem Zeitpunkt wollte sie nicht darüber reden. Es war für sie immer noch zu schmerzlich. Es wäre gut gewesen darüber zu sprechen. Sie konnte es aber nicht.
Die Freundinnen hatten sich vermisst, obwohl sie sich regelmäßig geschrieben hatten.
Heute hatten sie sich endlich zum Abendessen bei Anita getroffen. Früher ging es nicht, da Elke sich eine Wohnung hatte suchen müssen. Vorübergehend war sie bei ihren Eltern untergekommen. Das war aber kein Dauerzustand. Mit 24 Jahren fühlte sie sich zu alt um nicht eine eigene Wohnung zu haben.
Das Apartment, das Anita im Haus ihrer Eltern bewohnte, gefiel ihr. Es bestand aus einem großen Wohnraum mit abgeteiltem Schlafzimmer, einer kleinen Küche und einem Bad. Elke wäre es aber auf Dauer zu dicht bei den Eltern, die sie sehr liebte, jedoch nicht Tür an Tür mit ihnen wohnen wollte. Zum Glück hatte sie in kurzer Zeit eine bezahlbare 2-Zimmer-Wohnung in Höfen gefunden.
Anita indes hatte im Moment sehr viel Arbeit zu erledigen. Schon seit ein paar Wochen musste sie regelmäßig Überstunden machen um alle Aufgaben zu erfüllen die ihr gestellt wurden.
Nun hatten sie sich viel zu erzählen und es würde eine lange Nacht werden. Das war jedoch egal, denn es war Freitagabend und das Wochenende lag vor ihnen.
"Jetzt erzähle doch mal wie es dir so geht. Bist du noch mit Markus zusammen", wollte Elke wissen.
Anita hatte ihr nicht erzählt, dass Markus beim Stehlen erwischt worden war. Vielmehr - dass sie ihn verraten hatte. Jetzt musste sie es ihrer Freundin gestehen - ihr Alles schildern. Es war nicht leicht, doch es ging nicht anders. Während sie nun berichtete, bekam Elke immer größere Augen. Sie sagte keinen Ton und hörte aufmerksam zu.
"Es ging nochmals gut aus. Er ist mit einer Geldstrafe davon gekommen", endete Anita ihre Erzählung.
"Du hast ihm verziehen?"
Elke war von der Geschichte verblüfft. Niemals hatte sie vermutet, dass ihre Freundin im vergangenen Jahr solch’ eine Beziehungskrise hatte. In den Briefen von Anita war nicht der geringste Anhaltspunkt zu finden.
"Ja, das habe ich. Es ist mir nicht leicht gefallen, aber ich mag ihn noch immer."
"Du magst ihn. Was ist mit Liebe? Liebst du ihn denn auch noch? Nach all dem, das kann ich fast nicht glauben."
"Es ist aber so. Weißt du, er hat mir leid getan. Sicher, ich habe ihn verraten weil ich sauer auf ihn war."
Elke konnte das nicht begreifen. Sie hatte ihren Freund gleich fallen lassen, nachdem sie ihn auf einer Party mit einer anderen Frau beim Küssen erwischt hatte. Peter hatte zwar beteuert, dass sei harmlos. Er hatte zuviel getrunken und war nicht mehr ganz Herr seiner Sinne. Sie war in dieser Hinsicht eigen. Sie verlangte von ihrem Partner absolute Treue und Ehrlichkeit. Diese zwei Dinge waren für die Blondine das Wichtigste. Hätte ihr Exfreund gestohlen dann wäre das auch ein Grund für eine Trennung gewesen.
"Na ja, es ist dein Leben", sagte sie zu Anita nach einer kurzen Pause, "ich kann dir nicht vorschreiben mit wem du eine Beziehung haben möchtest. Ich an deiner Stelle wäre aber vorsichtig. Wer kann dir garantieren, dass er nicht wieder stiehlt. Er selbst mit Sicherheit nicht."
Das gab Anita doch wieder etwas zu denken. Sie hatte sich lange Zeit sehr viele Gedanken darüber gemacht. Es irgendwann dann aber verdrängt. Als sie nun mit ihrer Freundin darüber sprach kamen alte Gefühle wieder in ihr hoch. Gefühle, die sie längst vergessen hatte. Die Enttäuschung - der Hass, der sie schließlich zum Verrat getrieben hatte. Die Frau wollte aber nicht mehr mit diesen Gefühlen konfrontiert werden.
"Ich weiß. Lass uns doch von etwas anderem reden", wich sie aus.
"Wie du willst."
Elke schenkte sich noch etwas zum Trinken ein. Nachdem Anita so offen war, sollte sie auch die Wahrheit für ihre Rückkehr erzählen? Bevor sie aber zu einer Entscheidung gezwungen war fragte ihre Freundin:
"Wie sieht es mit deiner Wohnung aus. Bist du schon mit Allem fertig", wollte Anita wissen.
"Bist du verrückt. Bis jetzt habe ich nur das Notwendigste getan."
"Wenn du möchtest, kann ich dir morgen helfen. Ich spreche mit Markus. Er hilft bestimmt auch."
"Das ist lieb von dir. Gerne nehme ich die Hilfe in Anspruch."
Den Rest des Abends redeten die beiden Frauen über alle möglichen Dinge. Es war schon nach Mitternacht als sich Elke von ihrer Freundin verabschiedete.

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