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Mittwoch, 10. April 2013
klauspfrommer, 22:36h
31. Kapitel
Seit der endgültigen Trennung von Markus fühlte sich Anita öfters allein. Zwar wohnte sie im Moment noch bei ihren Eltern, doch das war keine Lösung auf Dauer. Die meisten ihrer Möbel waren in der elterlichen Garage eingelagert. Sie hatte sie von ihrem Vater aus der gemeinsamen Wohnung von ihr und Markus abholen lassen. Hans hatte das zusammen mit einem befreundeten Arbeitskollegen erledigt. Anita wollte die Wohnung nicht mehr betreten obwohl Markus nicht da war als ihre Möbel geholt wurden. Zumindest daran hatte er sich gehalten. Auch den Mietvertrag hatte sie ihrerseits zwei Tage nach dem Gespräch mit ihrem Exfreund gekündigt.
Nun wollte sie sich wieder eine Wohnung nehmen und einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Es würde schwer werden wieder von vorne anzufangen. Den Verlust ihres Kindes hatte sie überwunden. Zudem war sie bereit eine neue Beziehung einzugehen.
Anitas Eltern waren damit einverstanden, dass ihre Tochter wieder eine eigene Wohnung haben wollte. Sie wussten, dass Anita wieder bereit war für sich selbst zu sorgen.
Wie jeden Samstag in den letzten Wochen las Anita in aller Ruhe die Tageszeitung. Im Wohnzimmer ihrer Eltern hatte sie es sich auf der Couch bequem gemacht. Draußen war es bitterlich kalt und der Holzofen strahlte eine wohltuende Wärme aus. Anita durchsuchte die Wohnungsanzeigen nach einer geeigneten für sich. Sie hatte beschlossen direkt nach Calw zu ziehen. Es war bereits Anfang Dezember. Schon mehrmals war bereits Schnee gefallen. Das war ein weiterer Grund dafür, dass sie in die Stadt ziehen wollte. Dadurch würde sie keinen langen Arbeitsweg mehr haben und gerade am Morgen bräuchte sie nicht so viel Zeit. Es sollte eine 2-Zimmer-Wohnung sein. Drei Annoncen kamen in Frage. Später wollte sie anrufen um sich näher über die Wohnungen zu erkundigen. Zunächst las sie aber noch den Regionalteil. Plötzlich glitt ihr die Zeitung aus den Fingern und fiel auf den Boden. Das bekam ihre Mutter mit und eilte herbei.
"Kindchen, was ist denn passiert?"
Ihre Tochter blickte sie verstört an.
"Mutter", sagte Anita völlig teilnahmslos, "er ist tot".
"Wer ist tot?"
Anita gab keine Antwort. Ihre Mutter hob die Zeitung auf und suchte nach einer Antwort für das Verhalten ihrer Tochter. Schnell hatte sie die Lösung gefunden. Markus war tot. In der Zeitung war ein kleiner Artikel darüber, dass er in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Er hatte eine Überdosis Drogen genommen. Es wurde zwar kein Name in dem Artikel erwähnt, doch Gerda wusste sofort um wen es sich handelt.
"Oh mein Gott."
Gerda hielt sich die Hand vor den Mund um ihr Entsetzen zu verbergen. Zwar verabscheute sie den Mann für das, was er ihrer Tochter angetan hatte. Doch seinen Tod hätte sie sich niemals gewünscht. Aufgeregt rief sie nach ihrem Mann. Sie wollte ihn direkt davon unterrichten. Wenig später kam Hans in den Raum.
Anita bekam von alledem nichts mit. Sie war in einer Traumwelt versunken. Noch einmal ließ sie ihr Zusammenleben mit Markus Revue passieren. Es gab schlechte Zeiten und es gab ein paar sehr gute Zeiten. Diese würde sie vermissen und doch war sie auch erleichtert. Der Lebensabschnitt war für sie nun endgültig vorüber. Jetzt konnte sie zum ersten Mal seit langer Zeit wieder weinen. Ihre Mutter nahm sie in den Arm um sie zu trösten.
"Jetzt ist es vorbei - für immer."
"Pscht, meine Kleine, weine dich ruhig aus. Du hast es so lange zurück gehalten."
Markus war tot und sie konnte weiter leben.
Seit der endgültigen Trennung von Markus fühlte sich Anita öfters allein. Zwar wohnte sie im Moment noch bei ihren Eltern, doch das war keine Lösung auf Dauer. Die meisten ihrer Möbel waren in der elterlichen Garage eingelagert. Sie hatte sie von ihrem Vater aus der gemeinsamen Wohnung von ihr und Markus abholen lassen. Hans hatte das zusammen mit einem befreundeten Arbeitskollegen erledigt. Anita wollte die Wohnung nicht mehr betreten obwohl Markus nicht da war als ihre Möbel geholt wurden. Zumindest daran hatte er sich gehalten. Auch den Mietvertrag hatte sie ihrerseits zwei Tage nach dem Gespräch mit ihrem Exfreund gekündigt.
Nun wollte sie sich wieder eine Wohnung nehmen und einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Es würde schwer werden wieder von vorne anzufangen. Den Verlust ihres Kindes hatte sie überwunden. Zudem war sie bereit eine neue Beziehung einzugehen.
Anitas Eltern waren damit einverstanden, dass ihre Tochter wieder eine eigene Wohnung haben wollte. Sie wussten, dass Anita wieder bereit war für sich selbst zu sorgen.
Wie jeden Samstag in den letzten Wochen las Anita in aller Ruhe die Tageszeitung. Im Wohnzimmer ihrer Eltern hatte sie es sich auf der Couch bequem gemacht. Draußen war es bitterlich kalt und der Holzofen strahlte eine wohltuende Wärme aus. Anita durchsuchte die Wohnungsanzeigen nach einer geeigneten für sich. Sie hatte beschlossen direkt nach Calw zu ziehen. Es war bereits Anfang Dezember. Schon mehrmals war bereits Schnee gefallen. Das war ein weiterer Grund dafür, dass sie in die Stadt ziehen wollte. Dadurch würde sie keinen langen Arbeitsweg mehr haben und gerade am Morgen bräuchte sie nicht so viel Zeit. Es sollte eine 2-Zimmer-Wohnung sein. Drei Annoncen kamen in Frage. Später wollte sie anrufen um sich näher über die Wohnungen zu erkundigen. Zunächst las sie aber noch den Regionalteil. Plötzlich glitt ihr die Zeitung aus den Fingern und fiel auf den Boden. Das bekam ihre Mutter mit und eilte herbei.
"Kindchen, was ist denn passiert?"
Ihre Tochter blickte sie verstört an.
"Mutter", sagte Anita völlig teilnahmslos, "er ist tot".
"Wer ist tot?"
Anita gab keine Antwort. Ihre Mutter hob die Zeitung auf und suchte nach einer Antwort für das Verhalten ihrer Tochter. Schnell hatte sie die Lösung gefunden. Markus war tot. In der Zeitung war ein kleiner Artikel darüber, dass er in seiner Wohnung aufgefunden wurde. Er hatte eine Überdosis Drogen genommen. Es wurde zwar kein Name in dem Artikel erwähnt, doch Gerda wusste sofort um wen es sich handelt.
"Oh mein Gott."
Gerda hielt sich die Hand vor den Mund um ihr Entsetzen zu verbergen. Zwar verabscheute sie den Mann für das, was er ihrer Tochter angetan hatte. Doch seinen Tod hätte sie sich niemals gewünscht. Aufgeregt rief sie nach ihrem Mann. Sie wollte ihn direkt davon unterrichten. Wenig später kam Hans in den Raum.
Anita bekam von alledem nichts mit. Sie war in einer Traumwelt versunken. Noch einmal ließ sie ihr Zusammenleben mit Markus Revue passieren. Es gab schlechte Zeiten und es gab ein paar sehr gute Zeiten. Diese würde sie vermissen und doch war sie auch erleichtert. Der Lebensabschnitt war für sie nun endgültig vorüber. Jetzt konnte sie zum ersten Mal seit langer Zeit wieder weinen. Ihre Mutter nahm sie in den Arm um sie zu trösten.
"Jetzt ist es vorbei - für immer."
"Pscht, meine Kleine, weine dich ruhig aus. Du hast es so lange zurück gehalten."
Markus war tot und sie konnte weiter leben.
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Montag, 8. April 2013
klauspfrommer, 23:26h
30. Kapitel
Am Wochenende nach dem Mittagessen nahm sie ihren Mut zusammen und fuhr nach Altburg. Ihre Eltern hielten das für keine gute Idee hielten ihre Tochter aber auch nicht davon ab. Schließlich war sie alt genug um zu wissen was sie tat.
Anita hoffte, dass Markus zu Hause war. Sie wollte ein letztes Gespräch mit ihm führen. Einige Dinge mit ihm klären und gleichzeitig lebe wohl sagen. Sie fand, dass es nun an der Zeit dafür war.
Mit gemischten Gefühlen hielt Anita vor dem Haus. Sie hatte immer noch die Schlüssel und benutzte sie nun. Als sie das Treppenhaus betrat und nach oben stieg, beschleunigte sich ihr Puls doch etwas. Vor der Wohnungstür blieb sie stehen und holte ein paar Mal tief Luft. Dann schloss sie die Tür auf und öffnete sie einen Spalt.
"Hallo!"
Keine Antwort.
Sie betrat den Korridor und schloss die Tür hinter sich. Es roch etwas muffig. Anscheinend war schon länger nicht mehr richtig gelüftet worden. Ihr fiel auch sofort die Unordnung auf. Überall standen leere Flaschen herum und Müll lag verstreut auf dem Boden. Das ließ Abscheu in ihr hoch kommen. So etwas war sie von Markus nicht gewöhnt. Früher war er immer sehr ordentlich gewesen.
"Markus, bist du da?"
Immer noch keine Antwort. Stille war in den Räumen.
Sie ging in das Wohnzimmer. Da saß er – zusammengekauert - ein Schatten seiner selbst - mehr oder weniger.
"Hallo Anita", flüsterte er mit dünner Stimme.
"Hallo."
Kälte herrschte in dem Raum. Auch hier herrschte Chaos und Unordnung.
"Komm' setzt dich. Möchtest du etwas zu trinken haben?"
"Danke, das wäre nett“ erwiderte sie aus purer Höflichkeit und setzte sich ans rechte Ende der Couch. Möglichst weit weg von Markus
Bisher hatte Anita nur auf den Boden gestarrt. Jetzt blickte sie kurz in seine Augen. Der Blick wirkte leer und entfernt. Markus wirkte abgemagert.
"Ich bin gekommen um noch einmal mit dir zu reden. In aller Ruhe zu reden."
"In Ordnung. Ich wollte dich auch schon anrufen. Bis jetzt brachte ich allerdings noch nicht den Mut auf. Du warst schneller als ich."
Markus stand auf und verschwand für kurze Zeit in der Küche. Dort hantierte er in einem Schrank, das war zu hören. Wenig später war er wieder zurück. Mit zwei Gläsern und einer Flasche Coca-Cola.
"Ich hoffe Coke ist in Ordnung."
"Ja."
Er schenkte in beide Gläser ein und stellte die Flasche anschließend auf den Boden neben dem Sofa.
"Ich möchte das so schnell wie möglich hinter mich bringen", begann Anita, "darum keine Geheimnisse mehr. Ich weiß du nimmst Drogen."
"Woher weißt du das?"
Markus war doch überrascht. Damit hatte er nicht gerechnet.
"Das tut nichts zur Sache. Ich möchte nur von dir wissen - warum?"
"Wenn ich das so leicht beantworten könnte. Ich bin da so reingeschliddert."
"Das ist nicht zu glauben."
"Lass mich bitte weiter reden. Damals als ich gespielt habe bin ich in ziemlich üble Gesellschaft geraten. Eine Clique hat mich aufgenommen. Wir sind auch öfter in Discos gegangen. Dort nahmen die Jungs harmlose Aufputschmittel, wie sie mir versicherten. Deshalb probierte ich es auch. Es war nicht schlecht. Ich fühlte mich gut dabei. So steigerte es sich immer mehr. Als wir im Urlaub waren bin ich dann ganz ohne Drogen ausgekommen. Also dachte ich, dass ich alles unter Kontrolle habe. Dem war aber nicht so. Dadurch, dass wir die ganze Zeit zusammen waren, war ich abgelenkt, merkte gar nicht was mir fehlte. Dann kam wieder der ganz normale Stress auf der Arbeit. Dem wollte ich dann wieder entfliehen."
Ohne jede Emotion erzählte Markus. Seine Augen warfen einen Blick ins Leere. Fast schien es so, dass er die Gegenwart von Anita gar nicht richtig wahr nahm.
"An dem Abend als es dann eskalierte“, fragte sie dazwischen.
"Da hatte ich schlechtes Zeug erwischt. Ich war an einen Dealer geraten, der die Pillen mit irgendwelchen Mitteln gestreckt hatte. Es war grauenhaft. Mir wurde schlecht und so fuhr ich hierher. Ich wollte nur zu dir. Dann hatte ich plötzlich diesen Aussetzer."
"Du weißt nicht mehr was geschehen ist? Wie du mich halb tot geschlagen hast?"
Anita bekam wieder Wut im Bauch. Ihre Stimme wurde schrill.
"Du hast unser Kind getötet in dieser Nacht."
Das musste endlich in aller Deutlichkeit raus. Lange Zeit hatte sie die Wut auf Markus und was er ihr angetan hatte unterdrückt. Fast wäre sie auf ihn los gegangen konnte sich aber doch beherrschen. Markus duckte sich plötzlich und versteckte seinen Kopf zwischen den Knien unter seinen Armen.
"Bitte, ich will das nicht hören."
"Du wirst es dir aber anhören müssen!"
Anita konnte das Verhalten von Markus nicht ganz verstehen.
"Du zeigst nicht einmal Reue. Alles was du tust ist dich selbst zu bemitleiden."
"Das stimmt nicht. Ich würde alles Menschenmögliche der Welt tun, um das was geschehen ist rückgängig zu machen. Das kann ich aber nicht, Anita."
"Ja, ich verstehe. Du wirst aber auch sicher verstehen, dass ich die Anzeige gegen dich niemals zurück ziehen werde. Für das, was du mir und unserem Kind angetan hast wirst du gerade stehen müssen."
"Das ist mir klar und ich werde die Schuld auf mich nehmen. Zumindest das kann ich tun. Ich werde auch eine Drogentherapie machen."
"Das ist deine Entscheidung."
"Möchtest du die Wohnung behalten. Ich überlasse sie dir."
"Nein, auf keinen Fall werde ich die Wohnung behalten wollen. Hier erinnert mich zuviel an die Zeit mit dir und an das grausame Erlebnis. Meine restlichen Sachen werde ich in den nächsten Tagen abholen. Ich rufe dich an, denn ich wünsche, dass du in der Zeit nicht hier bist. Denn ich möchte dich nie wieder sehen. Hast du mich verstanden?"
"Ja, ist gut."
Anita stand auf und eilte in den Korridor. Markus folgte ihr. Sie drehte sich zu ihm um. Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und sagte:
"Lebe wohl. Ich hoffe, dass du wieder glücklich wirst. Vielleicht kannst du mir eines Tages vergeben."
Anita verließ wortlos die Wohnung.
Die Tür fiel ins Schloss. Markus stand ganz allein im Flur. Es war vorbei. Endgültig vorbei.
Markus sah nur noch einen Haufen Scherben vor sich liegen.
Am Wochenende nach dem Mittagessen nahm sie ihren Mut zusammen und fuhr nach Altburg. Ihre Eltern hielten das für keine gute Idee hielten ihre Tochter aber auch nicht davon ab. Schließlich war sie alt genug um zu wissen was sie tat.
Anita hoffte, dass Markus zu Hause war. Sie wollte ein letztes Gespräch mit ihm führen. Einige Dinge mit ihm klären und gleichzeitig lebe wohl sagen. Sie fand, dass es nun an der Zeit dafür war.
Mit gemischten Gefühlen hielt Anita vor dem Haus. Sie hatte immer noch die Schlüssel und benutzte sie nun. Als sie das Treppenhaus betrat und nach oben stieg, beschleunigte sich ihr Puls doch etwas. Vor der Wohnungstür blieb sie stehen und holte ein paar Mal tief Luft. Dann schloss sie die Tür auf und öffnete sie einen Spalt.
"Hallo!"
Keine Antwort.
Sie betrat den Korridor und schloss die Tür hinter sich. Es roch etwas muffig. Anscheinend war schon länger nicht mehr richtig gelüftet worden. Ihr fiel auch sofort die Unordnung auf. Überall standen leere Flaschen herum und Müll lag verstreut auf dem Boden. Das ließ Abscheu in ihr hoch kommen. So etwas war sie von Markus nicht gewöhnt. Früher war er immer sehr ordentlich gewesen.
"Markus, bist du da?"
Immer noch keine Antwort. Stille war in den Räumen.
Sie ging in das Wohnzimmer. Da saß er – zusammengekauert - ein Schatten seiner selbst - mehr oder weniger.
"Hallo Anita", flüsterte er mit dünner Stimme.
"Hallo."
Kälte herrschte in dem Raum. Auch hier herrschte Chaos und Unordnung.
"Komm' setzt dich. Möchtest du etwas zu trinken haben?"
"Danke, das wäre nett“ erwiderte sie aus purer Höflichkeit und setzte sich ans rechte Ende der Couch. Möglichst weit weg von Markus
Bisher hatte Anita nur auf den Boden gestarrt. Jetzt blickte sie kurz in seine Augen. Der Blick wirkte leer und entfernt. Markus wirkte abgemagert.
"Ich bin gekommen um noch einmal mit dir zu reden. In aller Ruhe zu reden."
"In Ordnung. Ich wollte dich auch schon anrufen. Bis jetzt brachte ich allerdings noch nicht den Mut auf. Du warst schneller als ich."
Markus stand auf und verschwand für kurze Zeit in der Küche. Dort hantierte er in einem Schrank, das war zu hören. Wenig später war er wieder zurück. Mit zwei Gläsern und einer Flasche Coca-Cola.
"Ich hoffe Coke ist in Ordnung."
"Ja."
Er schenkte in beide Gläser ein und stellte die Flasche anschließend auf den Boden neben dem Sofa.
"Ich möchte das so schnell wie möglich hinter mich bringen", begann Anita, "darum keine Geheimnisse mehr. Ich weiß du nimmst Drogen."
"Woher weißt du das?"
Markus war doch überrascht. Damit hatte er nicht gerechnet.
"Das tut nichts zur Sache. Ich möchte nur von dir wissen - warum?"
"Wenn ich das so leicht beantworten könnte. Ich bin da so reingeschliddert."
"Das ist nicht zu glauben."
"Lass mich bitte weiter reden. Damals als ich gespielt habe bin ich in ziemlich üble Gesellschaft geraten. Eine Clique hat mich aufgenommen. Wir sind auch öfter in Discos gegangen. Dort nahmen die Jungs harmlose Aufputschmittel, wie sie mir versicherten. Deshalb probierte ich es auch. Es war nicht schlecht. Ich fühlte mich gut dabei. So steigerte es sich immer mehr. Als wir im Urlaub waren bin ich dann ganz ohne Drogen ausgekommen. Also dachte ich, dass ich alles unter Kontrolle habe. Dem war aber nicht so. Dadurch, dass wir die ganze Zeit zusammen waren, war ich abgelenkt, merkte gar nicht was mir fehlte. Dann kam wieder der ganz normale Stress auf der Arbeit. Dem wollte ich dann wieder entfliehen."
Ohne jede Emotion erzählte Markus. Seine Augen warfen einen Blick ins Leere. Fast schien es so, dass er die Gegenwart von Anita gar nicht richtig wahr nahm.
"An dem Abend als es dann eskalierte“, fragte sie dazwischen.
"Da hatte ich schlechtes Zeug erwischt. Ich war an einen Dealer geraten, der die Pillen mit irgendwelchen Mitteln gestreckt hatte. Es war grauenhaft. Mir wurde schlecht und so fuhr ich hierher. Ich wollte nur zu dir. Dann hatte ich plötzlich diesen Aussetzer."
"Du weißt nicht mehr was geschehen ist? Wie du mich halb tot geschlagen hast?"
Anita bekam wieder Wut im Bauch. Ihre Stimme wurde schrill.
"Du hast unser Kind getötet in dieser Nacht."
Das musste endlich in aller Deutlichkeit raus. Lange Zeit hatte sie die Wut auf Markus und was er ihr angetan hatte unterdrückt. Fast wäre sie auf ihn los gegangen konnte sich aber doch beherrschen. Markus duckte sich plötzlich und versteckte seinen Kopf zwischen den Knien unter seinen Armen.
"Bitte, ich will das nicht hören."
"Du wirst es dir aber anhören müssen!"
Anita konnte das Verhalten von Markus nicht ganz verstehen.
"Du zeigst nicht einmal Reue. Alles was du tust ist dich selbst zu bemitleiden."
"Das stimmt nicht. Ich würde alles Menschenmögliche der Welt tun, um das was geschehen ist rückgängig zu machen. Das kann ich aber nicht, Anita."
"Ja, ich verstehe. Du wirst aber auch sicher verstehen, dass ich die Anzeige gegen dich niemals zurück ziehen werde. Für das, was du mir und unserem Kind angetan hast wirst du gerade stehen müssen."
"Das ist mir klar und ich werde die Schuld auf mich nehmen. Zumindest das kann ich tun. Ich werde auch eine Drogentherapie machen."
"Das ist deine Entscheidung."
"Möchtest du die Wohnung behalten. Ich überlasse sie dir."
"Nein, auf keinen Fall werde ich die Wohnung behalten wollen. Hier erinnert mich zuviel an die Zeit mit dir und an das grausame Erlebnis. Meine restlichen Sachen werde ich in den nächsten Tagen abholen. Ich rufe dich an, denn ich wünsche, dass du in der Zeit nicht hier bist. Denn ich möchte dich nie wieder sehen. Hast du mich verstanden?"
"Ja, ist gut."
Anita stand auf und eilte in den Korridor. Markus folgte ihr. Sie drehte sich zu ihm um. Er gab ihr einen Kuss auf die Wange und sagte:
"Lebe wohl. Ich hoffe, dass du wieder glücklich wirst. Vielleicht kannst du mir eines Tages vergeben."
Anita verließ wortlos die Wohnung.
Die Tür fiel ins Schloss. Markus stand ganz allein im Flur. Es war vorbei. Endgültig vorbei.
Markus sah nur noch einen Haufen Scherben vor sich liegen.
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Freitag, 5. April 2013
klauspfrommer, 23:03h
29. Kapitel
Überstürzt war sie aufgebrochen. Auf dem Weg nach Hause ging Anita alles noch einmal durch den Kopf. Sie konnte noch immer nicht fassen was ihr Elke erzählt hatte. War sie so blind gewesen, dass sie nichts bemerkt hatte? Je länger Anita darüber nachdachte desto logischer wurde ihr aber alles. Das seltsame Verhalten, das Markus manchmal an de Tag gelegt hatte. Jetzt war ihr auch klar wieso er oft alleine unterwegs war und sie nicht dabei haben wollte.
Wie aber war auf die schiefe Bahn geraten? Nach ihrem Urlaub war die Welt doch völlig in Ordnung. Er hatte seine Spielsucht überwunden. Die Zeit war reif für eine gemeinsame Zukunft. Gekrönt wurde das durch ihre Schwangerschaft. Wie sehr hatten sich Beide auf das Baby gefreut, hatten Pläne als Familie geschmiedet. In einer einzigen Nacht wurde dieses Glück zerstört. Nicht durch ein Unglück von Außen, sondern von Innen heraus. Die Erinnerungen an die Schmerzen und Verletzungen kamen in ihr Gedächtnis zurück.
Sie musste auch an ihr verlorenes Kind denken. Tränen stiegen in ihren Augen auf und vernebelten ihren Blick. Beinahe fuhr Anita deswegen in den Straßengraben. Der Schotter am Rand rüttelte sie jedoch wach. Erschrocken zuckte sie zusammen und riss das Steuer nach links. Ihr Herz raste, das Blut pulsierte.
'Meine Güte. Das hätte gerade noch gefehlt, dass ich wegen diesem Idioten in den Straßengraben fahre.'
Wut auf Markus stieg wieder in ihr hoch. Sie wischte sich die Tränen mit dem linken Jackenärmel weg. Aufmerksamer fuhr sie weiter. Stärkerer Regen setzte wieder ein und Anita fuhr etwas langsamer. Laub lag auf der Straße und zusammen mit dem Regen konnte es stellenweise gefährlich rutschig sein. Sie kam dennoch heil in Würzbach an. Ihren Polo parkte sie vor dem Haus auf dem Stellplatz. Im Erdgeschoß brannte noch Licht. Ihre Mutter war also noch auf. Ihr Vater war bei der Arbeit. Er hatte Nachtschicht.
Der Regen wurde immer heftiger und so rannte Anita von ihrem Auto zur Haustür. Den Schlüssel kramte sie nebenher aus der Jackentasche. Sie brauchte ihn aber nicht. Ihre Mutter öffnete ihr die Tür.
"Was ist denn geschehen. Elke hat mich vorhin angerufen. Sie war ganz aufgeregt, hat mir aber nicht gesagt was vorgefallen ist."
"Ich möchte jetzt nicht darüber reden", sagte Anita während sie ihre nasse Jacke auszog.
"Es ist wegen Markus, nicht wahr."
"Bitte Mutter!"
Anita ging direkt in ihr Zimmer. Gerda folgte ihr nicht. Sie hatte begriffen, dass ihre Tochter jetzt nicht mit ihr reden wollte. Wieder einmal. In den letzten Tagen führten sie keine langen Gespräche. Anita weinte sich nicht mehr bei ihr aus. Das beunruhigte sie. Es war nicht gut, wenn ihre Tochter Alles in sich hinein fraß.
Anita schloss die Tür hinter sich ab, da sie unbedingt ihre Ruhe haben wollte. Ihre Mutter wollte sie nicht so anschnauzen, konnte sich bei ihr im Moment aber auch nicht entschuldigen. Dafür war sie immer noch zu aufgebracht.
Sie fasste den Entschluss noch einmal mit Markus zu reden. Was sie ihm sagen wollte, wusste sie bis dahin noch nicht. Das würde Anita erst wissen, wenn sie mit dem Mann sprach, den sie einst geliebt und der ihr so viel Leid zugefügt hatte. Das Gespräch war aber auch überfällig. Nur so konnte sie einen endgültigen Schlussstrich unter die Freundschaft ziehen. Ein Zurück würde es niemals geben. Das stand für Anita fest.
Überstürzt war sie aufgebrochen. Auf dem Weg nach Hause ging Anita alles noch einmal durch den Kopf. Sie konnte noch immer nicht fassen was ihr Elke erzählt hatte. War sie so blind gewesen, dass sie nichts bemerkt hatte? Je länger Anita darüber nachdachte desto logischer wurde ihr aber alles. Das seltsame Verhalten, das Markus manchmal an de Tag gelegt hatte. Jetzt war ihr auch klar wieso er oft alleine unterwegs war und sie nicht dabei haben wollte.
Wie aber war auf die schiefe Bahn geraten? Nach ihrem Urlaub war die Welt doch völlig in Ordnung. Er hatte seine Spielsucht überwunden. Die Zeit war reif für eine gemeinsame Zukunft. Gekrönt wurde das durch ihre Schwangerschaft. Wie sehr hatten sich Beide auf das Baby gefreut, hatten Pläne als Familie geschmiedet. In einer einzigen Nacht wurde dieses Glück zerstört. Nicht durch ein Unglück von Außen, sondern von Innen heraus. Die Erinnerungen an die Schmerzen und Verletzungen kamen in ihr Gedächtnis zurück.
Sie musste auch an ihr verlorenes Kind denken. Tränen stiegen in ihren Augen auf und vernebelten ihren Blick. Beinahe fuhr Anita deswegen in den Straßengraben. Der Schotter am Rand rüttelte sie jedoch wach. Erschrocken zuckte sie zusammen und riss das Steuer nach links. Ihr Herz raste, das Blut pulsierte.
'Meine Güte. Das hätte gerade noch gefehlt, dass ich wegen diesem Idioten in den Straßengraben fahre.'
Wut auf Markus stieg wieder in ihr hoch. Sie wischte sich die Tränen mit dem linken Jackenärmel weg. Aufmerksamer fuhr sie weiter. Stärkerer Regen setzte wieder ein und Anita fuhr etwas langsamer. Laub lag auf der Straße und zusammen mit dem Regen konnte es stellenweise gefährlich rutschig sein. Sie kam dennoch heil in Würzbach an. Ihren Polo parkte sie vor dem Haus auf dem Stellplatz. Im Erdgeschoß brannte noch Licht. Ihre Mutter war also noch auf. Ihr Vater war bei der Arbeit. Er hatte Nachtschicht.
Der Regen wurde immer heftiger und so rannte Anita von ihrem Auto zur Haustür. Den Schlüssel kramte sie nebenher aus der Jackentasche. Sie brauchte ihn aber nicht. Ihre Mutter öffnete ihr die Tür.
"Was ist denn geschehen. Elke hat mich vorhin angerufen. Sie war ganz aufgeregt, hat mir aber nicht gesagt was vorgefallen ist."
"Ich möchte jetzt nicht darüber reden", sagte Anita während sie ihre nasse Jacke auszog.
"Es ist wegen Markus, nicht wahr."
"Bitte Mutter!"
Anita ging direkt in ihr Zimmer. Gerda folgte ihr nicht. Sie hatte begriffen, dass ihre Tochter jetzt nicht mit ihr reden wollte. Wieder einmal. In den letzten Tagen führten sie keine langen Gespräche. Anita weinte sich nicht mehr bei ihr aus. Das beunruhigte sie. Es war nicht gut, wenn ihre Tochter Alles in sich hinein fraß.
Anita schloss die Tür hinter sich ab, da sie unbedingt ihre Ruhe haben wollte. Ihre Mutter wollte sie nicht so anschnauzen, konnte sich bei ihr im Moment aber auch nicht entschuldigen. Dafür war sie immer noch zu aufgebracht.
Sie fasste den Entschluss noch einmal mit Markus zu reden. Was sie ihm sagen wollte, wusste sie bis dahin noch nicht. Das würde Anita erst wissen, wenn sie mit dem Mann sprach, den sie einst geliebt und der ihr so viel Leid zugefügt hatte. Das Gespräch war aber auch überfällig. Nur so konnte sie einen endgültigen Schlussstrich unter die Freundschaft ziehen. Ein Zurück würde es niemals geben. Das stand für Anita fest.
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