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Sonntag, 24. März 2013
klauspfrommer, 21:13h
26. Kapitel
Es war an der Zeit aufzubrechen. Anita hatte ein flaues Gefühl im Magen nach fast sechs Wochen wieder zur Arbeit zu gehen. Ihre Mutter sprach ihr für den Tag aber Mut zu. Schließlich wäre sie nicht die Erste, die nach langer Krankheit wieder zu arbeiten beginne. Das brachte Anita aber wenig. Sie machte sich ihre eigenen Gedanken.
Wie würden ihre Kollegen reagieren? Was würden sie fragen? Fühlte sie sich der Situation gewachsen? Diese Gedanken kreisten in ihrem Kopf während der Fahrt nach Calw. Der Übergriff von Markus hatte sie aus der Bahn geworfen und ihr die Selbstsicherheit genommen. Die Musik aus dem Radio nahm sie überhaupt nicht wahr.
Am Freitag hatte sie angerufen und gesagt, dass sie heute wieder käme. Ihr Chef hatte weiter dazu nichts gesagt und meinte nur, dass es in Ordnung ginge.
Sie stellte ihr Auto auf ihrem Stammparkplatz vor der Firma ab. Noch einmal atmete sie tief durch, stieg aus und ging ins Gebäude. Damit sie wenigstens nach außen hin souverän wirkte hatte Anita ihre Lieblingsjeans und einen ihrer besten Pullover angezogen. Darüber trug sie eine Lederjacke. Ihr Puls schnellte nach oben als sie durch die Tür trat.
Jedoch wurde sie freundlich von ihren Arbeitskollegen begrüßt. Es gab keine schiefen Blicke oder peinliche Fragen die ihr gestellt wurden. Erleichterung machte sich bei ihr breit. Ihre direkte Kollegin empfing sie sogar mit einer Umarmung.
„Guten Morgen, Anita. Ist ja toll, dass du endlich wieder da bist. Wir haben dich schon unheimlich vermisst.“
„Das ist lieb von dir, Sandra“, entgegnete Anita, die sich nun ihrem Schreibtisch zuwandte, „Jetzt muss ich mich erst einmal wieder in den Ablauf einfinden“.
„Das wird schon. Nachher bringe ich dich auf den laufenden Stand. Aber zunächst einmal…“
Wie auf Kommando erschienen ihre anderen Kollegen unter der Tür. Joachim, der für die Lohnbuchhaltung zuständig war, hatte einen Geschenkkorb in der Hand. Diesen überreichte er Anita, die vollkommen überrascht war. Verdutzt nahm sie den Korb entgegen.
„Ihr seid allesamt verrückt. Vielen Dank.“
„Das bist du uns wert“, meinte Joachim und streichelte ihr kurz über den Unterarm, zog seine Hand aber sofort zurück, da Anita leicht zusammen zuckte.
Trotzdem lächelte sie Joachim an. Nach und nach ging jeder wieder an seine Arbeit. Kurze Zeit später bat ihr Chef sie zu sich. Er hatte mit seiner Mitarbeiterin ein paar Dinge zu besprechen. Zunächst bedauerte er was vorgefallen war und wünschte ihr für die private Zukunft das Beste. Er konnte den Vorfall nicht nachvollziehen und suchte manchmal fast verzweifelt nach den richtigen Worten. Das machte ihn nur menschlicher und Anita, die nach dem kurzen Telefongespräch vom Freitag nicht wusste was ihr Chef dachte und wie er reagieren würde, war froh darüber.
Sie sprachen dann über den Arbeitsablauf. Dann meinte er, falls es Anita zuviel mit der Arbeit werden sollte, könne sie jederzeit nach Hause gehen.
Das hatte sie nun gar nicht von ihrem Boss erwartet und sagte, dass sie nach Möglichkeit von dem Angebot nicht Gebrauch mache wolle. Sie hoffte, dass sie die Arbeit gut bewältigen würde. Das gefiel ihm und lobte sie noch als sehr zuverlässige Mitarbeiterin. Mit einem guten Gefühl im Bauch verließ Anita das Büro von ihrem Chef.
Es dauerte einige Tage bis sie wieder routiniert die Arbeit bei der Spedition bewältigte und alle liegen gebliebenen Fälle aufgearbeitet hatte. Sandra konnte das Meiste erledigen, doch ein paar Sachen waren liegen geblieben.
In ihrer Freizeit traf sie sich meist mit Elke und unternahm Ausflüge mit ihr. Oft aber machten die beiden Frauen nur kurze Spaziergänge. Es wurde tagsüber nicht mehr richtig warm. Der Winter schien in diesem Jahr sehr früh zu kommen. Auch hatte sie sich mit Tina zum Kaffee getroffen, wie es sich die beiden Frauen vorgenommen hatten. Der Krankenschwester gefiel es wie gut Anita sich wieder fühlte und wie toll sie aussah. Das war auch kein Wunder, hatte Anita doch einige Kilos verloren und trug ihr Haar wieder etwas länger. Sie erzählten beide von ihrer Arbeit und Tina hatte einige Anekdoten zu berichten, die Anita zum Lachen brachten.
Vor kurzem hatte Elke einen jungen Mann kennen gelernt. Sie mochte ihr gut leiden - aber es war keine Liebe. Nach der Enttäuschung, die sie in Freiburg erlebt hatte, war sie in Beziehungsfragen vorsichtig geworden. Sie hatte sich fest vorgenommen sich nicht mehr so schnell zu verlieben und wollte auch das Leben als Single wieder einmal genießen.
Von Daniel erfuhr sie einiges über Markus. Er kannte ihn durch seine Arbeit. Er berichtete Elke Schockierendes über ihn. Vieles hätte sie vermutet, das jedoch nicht. Ihrer Freundin musste sie davon berichten. Bei ihrem nächsten Treffen tat sie das auch.
Es war an der Zeit aufzubrechen. Anita hatte ein flaues Gefühl im Magen nach fast sechs Wochen wieder zur Arbeit zu gehen. Ihre Mutter sprach ihr für den Tag aber Mut zu. Schließlich wäre sie nicht die Erste, die nach langer Krankheit wieder zu arbeiten beginne. Das brachte Anita aber wenig. Sie machte sich ihre eigenen Gedanken.
Wie würden ihre Kollegen reagieren? Was würden sie fragen? Fühlte sie sich der Situation gewachsen? Diese Gedanken kreisten in ihrem Kopf während der Fahrt nach Calw. Der Übergriff von Markus hatte sie aus der Bahn geworfen und ihr die Selbstsicherheit genommen. Die Musik aus dem Radio nahm sie überhaupt nicht wahr.
Am Freitag hatte sie angerufen und gesagt, dass sie heute wieder käme. Ihr Chef hatte weiter dazu nichts gesagt und meinte nur, dass es in Ordnung ginge.
Sie stellte ihr Auto auf ihrem Stammparkplatz vor der Firma ab. Noch einmal atmete sie tief durch, stieg aus und ging ins Gebäude. Damit sie wenigstens nach außen hin souverän wirkte hatte Anita ihre Lieblingsjeans und einen ihrer besten Pullover angezogen. Darüber trug sie eine Lederjacke. Ihr Puls schnellte nach oben als sie durch die Tür trat.
Jedoch wurde sie freundlich von ihren Arbeitskollegen begrüßt. Es gab keine schiefen Blicke oder peinliche Fragen die ihr gestellt wurden. Erleichterung machte sich bei ihr breit. Ihre direkte Kollegin empfing sie sogar mit einer Umarmung.
„Guten Morgen, Anita. Ist ja toll, dass du endlich wieder da bist. Wir haben dich schon unheimlich vermisst.“
„Das ist lieb von dir, Sandra“, entgegnete Anita, die sich nun ihrem Schreibtisch zuwandte, „Jetzt muss ich mich erst einmal wieder in den Ablauf einfinden“.
„Das wird schon. Nachher bringe ich dich auf den laufenden Stand. Aber zunächst einmal…“
Wie auf Kommando erschienen ihre anderen Kollegen unter der Tür. Joachim, der für die Lohnbuchhaltung zuständig war, hatte einen Geschenkkorb in der Hand. Diesen überreichte er Anita, die vollkommen überrascht war. Verdutzt nahm sie den Korb entgegen.
„Ihr seid allesamt verrückt. Vielen Dank.“
„Das bist du uns wert“, meinte Joachim und streichelte ihr kurz über den Unterarm, zog seine Hand aber sofort zurück, da Anita leicht zusammen zuckte.
Trotzdem lächelte sie Joachim an. Nach und nach ging jeder wieder an seine Arbeit. Kurze Zeit später bat ihr Chef sie zu sich. Er hatte mit seiner Mitarbeiterin ein paar Dinge zu besprechen. Zunächst bedauerte er was vorgefallen war und wünschte ihr für die private Zukunft das Beste. Er konnte den Vorfall nicht nachvollziehen und suchte manchmal fast verzweifelt nach den richtigen Worten. Das machte ihn nur menschlicher und Anita, die nach dem kurzen Telefongespräch vom Freitag nicht wusste was ihr Chef dachte und wie er reagieren würde, war froh darüber.
Sie sprachen dann über den Arbeitsablauf. Dann meinte er, falls es Anita zuviel mit der Arbeit werden sollte, könne sie jederzeit nach Hause gehen.
Das hatte sie nun gar nicht von ihrem Boss erwartet und sagte, dass sie nach Möglichkeit von dem Angebot nicht Gebrauch mache wolle. Sie hoffte, dass sie die Arbeit gut bewältigen würde. Das gefiel ihm und lobte sie noch als sehr zuverlässige Mitarbeiterin. Mit einem guten Gefühl im Bauch verließ Anita das Büro von ihrem Chef.
Es dauerte einige Tage bis sie wieder routiniert die Arbeit bei der Spedition bewältigte und alle liegen gebliebenen Fälle aufgearbeitet hatte. Sandra konnte das Meiste erledigen, doch ein paar Sachen waren liegen geblieben.
In ihrer Freizeit traf sie sich meist mit Elke und unternahm Ausflüge mit ihr. Oft aber machten die beiden Frauen nur kurze Spaziergänge. Es wurde tagsüber nicht mehr richtig warm. Der Winter schien in diesem Jahr sehr früh zu kommen. Auch hatte sie sich mit Tina zum Kaffee getroffen, wie es sich die beiden Frauen vorgenommen hatten. Der Krankenschwester gefiel es wie gut Anita sich wieder fühlte und wie toll sie aussah. Das war auch kein Wunder, hatte Anita doch einige Kilos verloren und trug ihr Haar wieder etwas länger. Sie erzählten beide von ihrer Arbeit und Tina hatte einige Anekdoten zu berichten, die Anita zum Lachen brachten.
Vor kurzem hatte Elke einen jungen Mann kennen gelernt. Sie mochte ihr gut leiden - aber es war keine Liebe. Nach der Enttäuschung, die sie in Freiburg erlebt hatte, war sie in Beziehungsfragen vorsichtig geworden. Sie hatte sich fest vorgenommen sich nicht mehr so schnell zu verlieben und wollte auch das Leben als Single wieder einmal genießen.
Von Daniel erfuhr sie einiges über Markus. Er kannte ihn durch seine Arbeit. Er berichtete Elke Schockierendes über ihn. Vieles hätte sie vermutet, das jedoch nicht. Ihrer Freundin musste sie davon berichten. Bei ihrem nächsten Treffen tat sie das auch.
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Donnerstag, 21. März 2013
klauspfrommer, 21:50h
25. Kapitel
Nach über drei Wochen Krankenhausaufenthalt konnte Anita nach Hause entlassen werden. Ihre körperlichen Wunden waren weitgehend verheilt – ihre Seelischen dagegen noch lange nicht. Am Tag ihrer Entlassung hatte Tina Dienst. Diese freute sich sehr, dass Anita soweit wieder bei Gesundheit war, dass sie nach Hause konnte. Es war zwischen den beiden Frauen eine gewisse Freundschaft entstanden und Anita versprach Tina von sich hören zu lassen. Sie wollten sich in der Stadt treffen um gemeinsam Kaffee trinken zu gehen. Das würde noch etwas dauern. Im Moment fühlte sich Anita noch nicht dazu im Stande.
Ihre Mutter holte sie ab. Das hatten die Beiden am Vortag besprochen. Überpünktlich erschien Gerda. Glücklicherweise war der Arzt bereits zu einer letzten Visite da gewesen, hatte Anita nochmals untersucht und ihr noch ein paar Ratschläge zur weiteren Genesung gegeben. Jetzt konnte es direkt nach Hause gehen.
Mit einer herzlichen Umarmung verabschiedete sich Tina von Anita. Gerda nahm die Tasche ihrer Tochter. Sie wollte nicht, dass Anita schwer trug. Diese verabschiedete sich noch von den anderen Krankenschwestern die gerade Dienst hatten.
Es war ein regnerischer Septembertag. Es stürmte und ein kalter Wind pfiff um die Häuserecken. Zum Glück hatte Gerda für ihre Tochter eine warme Jacke mitgebracht. Trotzdem holte sie das Auto und hielt gegenüber dem Eingang. Ihre Tochter wartete derweil hinter der Tür. Als ihre Mutter angehalten hatte ging Anita nach draußen, eilte durch den Regen zum Wagen und stieg ein.
„Was für ein mieses Wetter“, meinte Anita sarkastisch, „das passt ja zu meiner Stimmung.“
Auf diese Bemerkung ging ihre Mutter erst gar nicht ein sondern meinte:
"Du wohnst erst mal wieder bei uns.“
"Das ist mir ganz recht. Ich fühle mich immer noch nicht so gut“, erwiderte Anita, „ich habe mein Kind verloren. Das schmerzt am meisten.“
Die Fahrerin musste sich auf den Verkehr konzentrieren und nickte deshalb nur. Gerne hätte Gerda ihre Tochter in den Arm genommen, doch das ging im Moment nicht.
"Es wird noch eine ganze Zeit dauern bis du über den Verlust des Babys hinweg bist."
"Ich werde es nie vergessen."
Die vielen Gespräche mit dem Seelsorger hatten Anita geholfen den Schmerz zu verarbeiten. Langsam kam sie über den Verlust hinweg.
"Vergessen wirst du nie etwas. Es verblasst nur."
„Meinst du wirklich?“
„Ganz sicher, Liebes. Irgendwann wirst du eine glückliche Mutter sein. Davon bin ich überzeugt.“
„Das kann ich mir im Moment leider gar nicht vorstellen.“
Das Gespräch versiegte. Anita blickte durch die Scheibe der Beifahrertür in den Regen. Einzelne Nebelschwaden tauchten auf. Die Umgebung nahm sie gar nicht richtig wahr. Langsam versank sie in ihren Gedanken.
Kurze Zeit später kamen die Frauen in Würzbach an. Gerda parkte auf dem Stellplatz vorm Haus. Zum Glück hatte der Regen etwas nachgelassen. Sie stiegen aus und Gerda holte die Tasche ihrer Tochter aus dem Kofferraum. Schnell gingen die Zwei ins Haus um nicht allzu sehr nass zu werden.
Eine neugierige Nachbarin hatte die Szene beobachtet. Wahrscheinlich würde sie sich bei der nächsten Gelegenheit das Maul darüber zerreißen, was sie soeben gesehen hatte. Anita war das alles egal. Sie wollte nichts weiter als ihre Ruhe haben.
Anita hatte sich auf die Bank in der Küche gesetzt. Erinnerungen an glückliche Zeiten kamen dabei auf. Es tat gut an schöne Zeiten zu denken. Zeiten ohne Verlust und Enttäuschungen.
"Ich mach uns jetzt mal einen starken Kaffee."
"Das ist eine gute Idee", erwiderte Anita, "im Krankenhaus gab es immer nur Tee. Für die nächsten Jahre ist mein Bedarf daran gedeckt."
Gerda musste lachen und auch Anita lächelte.
"Siehst du, du kannst schon wieder lächeln. Es geht dir schon besser."
"Fühlen tue ich mich jedoch noch immer miserabel. Es ist aber schön erst mal bei euch zu sein.“
„Wir haben dich gerne bei uns. Schade, dass das Apartment gegenüber wieder vermietet ist. Es wäre schön, wenn du wieder dort wohnen würdest. Du hättest dein eigenes Reich wenn du dich zurück ziehen wolltest.“
„Wenn es mir noch etwas besser geht möchte ich wieder meine eigene Wohnung. Im Moment aber noch nicht. Nachts, wenn ich alleine bin bekomme ich manchmal Angst.“
Das konnte Gerda glauben. Sie wollte ihrer Tochter aber Mut machen.
"Das wird alles wieder werden, glaube mir. Die Zeit heilt Wunden. "
Anita glaubte es ihrer Mutter.
Nach über drei Wochen Krankenhausaufenthalt konnte Anita nach Hause entlassen werden. Ihre körperlichen Wunden waren weitgehend verheilt – ihre Seelischen dagegen noch lange nicht. Am Tag ihrer Entlassung hatte Tina Dienst. Diese freute sich sehr, dass Anita soweit wieder bei Gesundheit war, dass sie nach Hause konnte. Es war zwischen den beiden Frauen eine gewisse Freundschaft entstanden und Anita versprach Tina von sich hören zu lassen. Sie wollten sich in der Stadt treffen um gemeinsam Kaffee trinken zu gehen. Das würde noch etwas dauern. Im Moment fühlte sich Anita noch nicht dazu im Stande.
Ihre Mutter holte sie ab. Das hatten die Beiden am Vortag besprochen. Überpünktlich erschien Gerda. Glücklicherweise war der Arzt bereits zu einer letzten Visite da gewesen, hatte Anita nochmals untersucht und ihr noch ein paar Ratschläge zur weiteren Genesung gegeben. Jetzt konnte es direkt nach Hause gehen.
Mit einer herzlichen Umarmung verabschiedete sich Tina von Anita. Gerda nahm die Tasche ihrer Tochter. Sie wollte nicht, dass Anita schwer trug. Diese verabschiedete sich noch von den anderen Krankenschwestern die gerade Dienst hatten.
Es war ein regnerischer Septembertag. Es stürmte und ein kalter Wind pfiff um die Häuserecken. Zum Glück hatte Gerda für ihre Tochter eine warme Jacke mitgebracht. Trotzdem holte sie das Auto und hielt gegenüber dem Eingang. Ihre Tochter wartete derweil hinter der Tür. Als ihre Mutter angehalten hatte ging Anita nach draußen, eilte durch den Regen zum Wagen und stieg ein.
„Was für ein mieses Wetter“, meinte Anita sarkastisch, „das passt ja zu meiner Stimmung.“
Auf diese Bemerkung ging ihre Mutter erst gar nicht ein sondern meinte:
"Du wohnst erst mal wieder bei uns.“
"Das ist mir ganz recht. Ich fühle mich immer noch nicht so gut“, erwiderte Anita, „ich habe mein Kind verloren. Das schmerzt am meisten.“
Die Fahrerin musste sich auf den Verkehr konzentrieren und nickte deshalb nur. Gerne hätte Gerda ihre Tochter in den Arm genommen, doch das ging im Moment nicht.
"Es wird noch eine ganze Zeit dauern bis du über den Verlust des Babys hinweg bist."
"Ich werde es nie vergessen."
Die vielen Gespräche mit dem Seelsorger hatten Anita geholfen den Schmerz zu verarbeiten. Langsam kam sie über den Verlust hinweg.
"Vergessen wirst du nie etwas. Es verblasst nur."
„Meinst du wirklich?“
„Ganz sicher, Liebes. Irgendwann wirst du eine glückliche Mutter sein. Davon bin ich überzeugt.“
„Das kann ich mir im Moment leider gar nicht vorstellen.“
Das Gespräch versiegte. Anita blickte durch die Scheibe der Beifahrertür in den Regen. Einzelne Nebelschwaden tauchten auf. Die Umgebung nahm sie gar nicht richtig wahr. Langsam versank sie in ihren Gedanken.
Kurze Zeit später kamen die Frauen in Würzbach an. Gerda parkte auf dem Stellplatz vorm Haus. Zum Glück hatte der Regen etwas nachgelassen. Sie stiegen aus und Gerda holte die Tasche ihrer Tochter aus dem Kofferraum. Schnell gingen die Zwei ins Haus um nicht allzu sehr nass zu werden.
Eine neugierige Nachbarin hatte die Szene beobachtet. Wahrscheinlich würde sie sich bei der nächsten Gelegenheit das Maul darüber zerreißen, was sie soeben gesehen hatte. Anita war das alles egal. Sie wollte nichts weiter als ihre Ruhe haben.
Anita hatte sich auf die Bank in der Küche gesetzt. Erinnerungen an glückliche Zeiten kamen dabei auf. Es tat gut an schöne Zeiten zu denken. Zeiten ohne Verlust und Enttäuschungen.
"Ich mach uns jetzt mal einen starken Kaffee."
"Das ist eine gute Idee", erwiderte Anita, "im Krankenhaus gab es immer nur Tee. Für die nächsten Jahre ist mein Bedarf daran gedeckt."
Gerda musste lachen und auch Anita lächelte.
"Siehst du, du kannst schon wieder lächeln. Es geht dir schon besser."
"Fühlen tue ich mich jedoch noch immer miserabel. Es ist aber schön erst mal bei euch zu sein.“
„Wir haben dich gerne bei uns. Schade, dass das Apartment gegenüber wieder vermietet ist. Es wäre schön, wenn du wieder dort wohnen würdest. Du hättest dein eigenes Reich wenn du dich zurück ziehen wolltest.“
„Wenn es mir noch etwas besser geht möchte ich wieder meine eigene Wohnung. Im Moment aber noch nicht. Nachts, wenn ich alleine bin bekomme ich manchmal Angst.“
Das konnte Gerda glauben. Sie wollte ihrer Tochter aber Mut machen.
"Das wird alles wieder werden, glaube mir. Die Zeit heilt Wunden. "
Anita glaubte es ihrer Mutter.
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Dienstag, 19. März 2013
klauspfrommer, 22:32h
24. Kapitel
Nach längerem Zögern fasste Anita endlich den Entschluss Anzeige gegen Markus zu erstatten. Ihre Eltern forderten sie mehrmals dazu auf und auch Elke hatte ihr das geraten. Nach dem unangenehmen Gespräch mit Markus fiel ihr es nicht mehr so schwer. Die Liebe die sie einst für Markus empfand war wie weggewischt. Sie hatte sogar das Gefühl, das sie nie existent war. Das machte sie aber auch traurig. War die gemeinsame Zeit eine Verschwendung gewesen?
Zuvor hatte sie gar nicht daran gedacht etwas gegen Markus zu unternehmen. Anita wollte nur noch ihre Ruhe vor ihm haben. Wie sich heraus stellte hatte ihr Vater schon alles Notwendige in die Wege geleitet. Es lag nun schon bereits eine Strafanzeige gegen Markus vor. Anita musste aber noch ihre Aussage zu Protokoll geben, damit die Anzeige der Staatsanwaltschaft Tübingen übergeben werden konnte.
Am Montagnachmittag kamen ihre Eltern mit einem Polizeibeamten vorbei. Dieser sollte ihre Aussage protokollieren.
„Wenn es auch schmerzhaft ist. Ich muss Ihnen die Fragen stellen“, meinte Polizeibeamter Maier während des Gesprächs mit Anita.
Beide saßen an dem Tisch im Krankenzimmer. Der Beamte hatte ein Diktiergerät mitgebracht mit dem er die Aussage von Anita aufzeichnete. Zudem machte er sich einige Notizen auf einem Schreibblock. Während sie mit dem Polizisten redete waren ihre Eltern anwesend. Gerda hatte sich auf das Bett gesetzt und ihr Vater lehnte an der Fensterbank. Beide hörten gut zu und waren manchmal entsetzt über die Worte ihrer Tochter. Für Anita war es gut jemanden Vertrautes in der Nähe zu haben.
Wieder und wieder stellte der Polizist ihr dieselben Fragen. Wieder und wieder musste Anita die schrecklichen Erlebnisse erzählen. Sie wurde nervös und es strengte sie an. Angespannt saß sie auf dem Stuhl und hatte ihre Hände zwischen die Beine geklemmt.
Schließlich wurde es ihrem Vater zuviel und verlangte von dem Beamten, dass er seine Tochter nicht noch länger quälen solle. Der Polizist machte noch ein paar letzte Notizen auf dem Block. Dann wand er sich Hans zu.
„Ich verstehe ihren Ärger, Herr Schmidt. Ich muss diese Fragen aber stellen. Es ist eine schwerwiegende Anschuldigung die ihre Tochter macht.“
Dann wandte er sich wieder Anita zu.
„Es ist schmerzlich für sie. Das verstehe ich gut. Da sie aber wollen, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt musste ich ihnen diese unangenehmen Fragen stellen.“
Das Erzählen hatte Anitas Gefühle komplett durcheinander gewirbelt und sie fing wieder an zu weinen. Es war zum Glück jemand da, der sie tröstete. Gerda stand vom Bett auf, ging zu ihrer Tochter hin und legte ihr den Arm auf die Schulter.
Der Polizist stand auf packte seine Sachen zusammen und verabschiedete sich dann förmlich von den Dreien. Für ihn war es eine Routinearbeit und er blieb ziemlich emotionslos.
Nach längerem Zögern fasste Anita endlich den Entschluss Anzeige gegen Markus zu erstatten. Ihre Eltern forderten sie mehrmals dazu auf und auch Elke hatte ihr das geraten. Nach dem unangenehmen Gespräch mit Markus fiel ihr es nicht mehr so schwer. Die Liebe die sie einst für Markus empfand war wie weggewischt. Sie hatte sogar das Gefühl, das sie nie existent war. Das machte sie aber auch traurig. War die gemeinsame Zeit eine Verschwendung gewesen?
Zuvor hatte sie gar nicht daran gedacht etwas gegen Markus zu unternehmen. Anita wollte nur noch ihre Ruhe vor ihm haben. Wie sich heraus stellte hatte ihr Vater schon alles Notwendige in die Wege geleitet. Es lag nun schon bereits eine Strafanzeige gegen Markus vor. Anita musste aber noch ihre Aussage zu Protokoll geben, damit die Anzeige der Staatsanwaltschaft Tübingen übergeben werden konnte.
Am Montagnachmittag kamen ihre Eltern mit einem Polizeibeamten vorbei. Dieser sollte ihre Aussage protokollieren.
„Wenn es auch schmerzhaft ist. Ich muss Ihnen die Fragen stellen“, meinte Polizeibeamter Maier während des Gesprächs mit Anita.
Beide saßen an dem Tisch im Krankenzimmer. Der Beamte hatte ein Diktiergerät mitgebracht mit dem er die Aussage von Anita aufzeichnete. Zudem machte er sich einige Notizen auf einem Schreibblock. Während sie mit dem Polizisten redete waren ihre Eltern anwesend. Gerda hatte sich auf das Bett gesetzt und ihr Vater lehnte an der Fensterbank. Beide hörten gut zu und waren manchmal entsetzt über die Worte ihrer Tochter. Für Anita war es gut jemanden Vertrautes in der Nähe zu haben.
Wieder und wieder stellte der Polizist ihr dieselben Fragen. Wieder und wieder musste Anita die schrecklichen Erlebnisse erzählen. Sie wurde nervös und es strengte sie an. Angespannt saß sie auf dem Stuhl und hatte ihre Hände zwischen die Beine geklemmt.
Schließlich wurde es ihrem Vater zuviel und verlangte von dem Beamten, dass er seine Tochter nicht noch länger quälen solle. Der Polizist machte noch ein paar letzte Notizen auf dem Block. Dann wand er sich Hans zu.
„Ich verstehe ihren Ärger, Herr Schmidt. Ich muss diese Fragen aber stellen. Es ist eine schwerwiegende Anschuldigung die ihre Tochter macht.“
Dann wandte er sich wieder Anita zu.
„Es ist schmerzlich für sie. Das verstehe ich gut. Da sie aber wollen, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt musste ich ihnen diese unangenehmen Fragen stellen.“
Das Erzählen hatte Anitas Gefühle komplett durcheinander gewirbelt und sie fing wieder an zu weinen. Es war zum Glück jemand da, der sie tröstete. Gerda stand vom Bett auf, ging zu ihrer Tochter hin und legte ihr den Arm auf die Schulter.
Der Polizist stand auf packte seine Sachen zusammen und verabschiedete sich dann förmlich von den Dreien. Für ihn war es eine Routinearbeit und er blieb ziemlich emotionslos.
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