Sonntag, 17. März 2013
23. Kapitel

Auch Markus kam sie besuchen. Das war im September. Anita war nicht erpicht darauf ihn zu sehen, konnte es aber auch nicht verhindern. Er kam mit einem bunten Strauss Blumen in ihr Zimmer, doch von Anfang an herrschte eine eisige Kälte zwischen den Beiden. Von der einstigen Liebe war nichts geblieben. Anita verspürte nur Abscheu für Markus. Die Blumen beachtete sie weiters gar nicht. Sie bat ihn sie auf den Tisch zu stellen der in der Ecke stand. Eine Vase hatte er bereits von draußen mit rein gebracht. Er verschwand für kurze Zeit in dem kleinen Bad das in der linken Ecke lag. Wasserrauschen war zu hören. Dann kam er zurück. Die Vase mit dem Strauss darin stellte er auf den Tisch.
Dabei beobachtete Anita ihn argwöhnisch. Ihr viel auf, wie ungepflegt Markus aussah. Das passte gar nicht zu ihm. Sein blondes Haar hing in fettigen Strähnen herab und er hatte sich schon länger nicht mehr rasiert. Das karierte Hemd, das er trug, war verknittert. Sie wand den Blick von ihm ab, bevor er sich zu ihr umdrehte.
Ein Gespräch kam nicht in Gang. Anita starrte aus dem Fenster ohne etwas wahrzunehmen und Markus stierte auf den Boden.
Er brach schließlich das Schweigen:
"Ich weiß nicht was in jener Nacht über mich gekommen war."
"Ich denke das weißt du sehr genau", fauchte Anita.
Markus sah erschrocken hoch. Tötente Blicke trafen seine Augen. Solch' einen Hass hatte er in Anitas Augen noch nie gesehen.
"Weißt du überhaupt was du angerichtet hast!"
Zornesfalten machten sich auf ihrer Stirn breit. Wieder schaute sie aus dem Fenster. Sie konnte seinen Anblick nicht ertragen. Es tat weh.
"Du hast unser Kind umgebracht", endete sie.
"Das ist nicht wahr. Sag, dass das nicht wahr ist."
Es klang nicht sehr überzeugend wie Markus das sagte. Selbst Anita fiel das sofort auf. Das machte sie nur noch ärgerlicher.
"Es ist aber so", schluchzte sie.
Wieder kam das Schweigen. Es hielt lange an. Wieder war es Markus der dem eisigen Schweigen im Raum ein Ende bereitete.
"Ich weiß nicht was ich tun kann um das je wieder gut zu machen."
"Nichts kannst du tun um das je wieder ungeschehen zu machen."
Das Schluchzen der Frau ging in Weinen über. Markus stand da und wusste nicht was er tun sollte. Anita rannen die Tränen übers Gesicht. Mit ihrer rechten Hand wischte sie sich über die Augen. Er wäre gerne zu ihr hingegangen und hätte sie in den Arm genommen. Er wollte sie trösten, ihr sagen wie unendlich leid es im tat was geschehen war. Doch das traute er sich nicht. Zu schlimm war die Erinnerung an jene Nacht in seinem Kopf. Bis heute konnte er selbst nicht verstehen was über ihn gekommen war.
Um seine Freundin vielleicht nicht für immer zu verlieren musste er ihr die ganze Wahrheit über sich beichten. War das die Lösung?
Während er noch überlegte was er nun tun sollte oder was zu sagen wäre, klopfte es an der Tür. Anitas Eltern betraten das Krankenzimmer. Sie erblickten Markus der mitten im Raum stand.
"Verlass' auf der Stelle das Zimmer", harschte Anitas Vater Markus an.
Dieser verließ fluchtartig den Raum ohne auch nur noch ein weiteres Wort zu sagen. Anita bekam davon nicht viel mit. Sie weinte noch immer und starrte teilnahmslos aus dem Fenster.
Gerda ging eilig zu ihrer Tochter hin und nahm sie in den Arm. Die Frau wollte ihr Trost spenden. Sie spürte wie Anita am ganzen Körper zitterte. Nur langsam beruhigte sich ihre Tochter.
"Du solltest diesen Kerl anzeigen", meinte Hans.

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Donnerstag, 14. März 2013
22. Kapitel

Als Anita das nächste Mal erwachte wusste sie nicht wo sie sich befand, wie spät es war und was geschehen war. Die Frau fühlte eine Leere in sich, wie sie sie noch nie gefühlt hatte. Sie konnte wieder einigermaßen gut sehen. Langsam realisierte Anita, dass sie in einem Bett lag. Vorsichtig hob sie den Kopf an und drehte ihn nach rechts. Das tat etwas weh. Ein Fenster war zu sehen, ein Bild an der weißen Wand – mehr nicht. Dann drehte sie den Kopf nach links. Da stand ein Schrank und es gab eine Tür. Sie war offensichtlich allein in dem Raum. Wenig später öffnete sich eben jene Tür und eine Frau in weiß gekleidet kam zu ihr ins Zimmer. In dem Moment wurde Anita bewusst, dass sie wohl in einem Krankenhaus lag.
Mit einem Lächeln trat die Krankenschwester an das Bett und sagte:
"Willkommen zurück aus dem Land der Träume."
"Was ist passiert", fragte Anita mit leiser zittriger Stimme.
"Das wird ihnen später der Arzt sagen. Versuchen sie noch auszuruhen. Das haben sie dringend nötig."
Dagegen hatte Anita nichts. Sie war immer noch benebelt und es dauerte nicht lange bis sie wieder schlummerte. Sie hatte noch nicht einmal den Infusionsschlauch an ihrem linken Arm bemerkt.
Viel später wurde sie wieder durch ein Geräusch wach. Es war eine andere Schwester im Raum. Auch diese begrüßte sie nett.
"Ich habe solch einen Durst", brachte Anita mühsam hervor.
"Das glaube ich gerne. Fast den ganzen Tag haben sie geschlafen. Ich richte sie ein wenig auf."
Die Schwester machte sich an dem Bett zu schaffen in dem Anita lag.
"Ist es so gut?"
"Ja, das ist gut. Kann ich bitte etwas zu trinken bekommen."
"Ich hole Ihnen einen Becher. Laufen sie mir bitte aber nicht weg."
Die Schwester entfernte sich mit einem leisen Lachen.
"Das werde ich bestimmt nicht."
Dem Scherz konnte Anita in ihrer Situation nur wenig abgewinnen.
Schon wenig später war die Frau in Weiß mit dem Becher zurück.
"So, hier bringe ich schon Ihr Wasser. Langsam in kleinen Schlucken trinken."
Anita tat, was ihr befohlen wurde. Als der Becher ihre Lippen berührte spürte sie einen Schmerz. Es tat aber gut zu trinken. Sie hatte so einen trockenen Mund gehabt, doch nun war es besser. Das Sprechen fiel ihr leichter.
"Was ist passiert? Warum bin ich hier? Wer sind Sie?"
"So viele Fragen auf einmal. Sie sind aber ein neugieriges Ding. Nun ich bin Schwester Mary. Für die anderen Fragen hole ich Ihnen Doktor Bauer. Einverstanden?"
"Mir bleibt wohl keine andere Wahl."
"Wohl kaum."
Wieder entfernte sich die Schwester mit einem Lächeln. Die Frau schien ein sehr sonniges Gemüt zu haben. Anitas Gehirn begann zu arbeiten. Langsam kamen die Erinnerungen zurück. Sie wusste wieder, dass Markus nach Hause gekommen war, sie geschlagen hatte.
Doch dann - nur noch schwarz.
Sie war so in ihre Gedanken vertieft, dass Anita gar nicht merkte wie sich ein Arzt an ihr Bett setzte.
"Hallo, ich bin Doktor Bauer."
Die Frau zuckte leicht zusammen. Ein grauhaariger Mann saß auf der Bettkante.
"Oh, ich wollte sie nicht erschrecken."
"Ich war in Gedanken vertieft. Das ist nicht schlimm."
Der Arzt entschuldigte sich noch einmal und begann dann eine lange Unterhaltung mit Anita. Während des Gespräches wurde Anita immer ruhiger und entsetzter. Sie wollte einfach nicht glauben was sie zu hören bekam.
"Nach allem, was ich ihnen nun erzählt habe, sollten sie trotzdem versuchen zu schlafen. Das wird in ihrer Lage mit Sicherheit nicht einfach sein. Versuchen sie es trotzdem. Ruhe ist im Moment das Wichtigste."
"Das werde ich", brachte Anita gerade noch hervor. Tränen rannen über ihr Gesicht.
Der Arzt drückte leicht ihre Hand stand auf und entfernte sich.
Anita hörte noch wie er zu Schwester Mary sagte, sie solle sich besonders um Anita kümmern.
Später schlief sie dann ein. Nachdem sie erneut erwachte war wieder eine andere Krankenschwester da. Sie stellte sich als Tina vor.
Es gab etwas zu essen. Anita aß zwar nicht viel, fühlte sich danach aber wieder kräftiger.
So vergingen die nächsten Tage.
Ihre Eltern kamen sie besuchen und auch Elke schaute vorbei. Wann das genau war wusste sie später nicht mehr.

Gerda rannen Tränen übers Gesicht als sie ihre Tochter im Krankenbett liegen sah und auch ihr Vater, sonst eher ein fröhlicher Typ, machte eine besorgte Miene.
Für Anita war es ein Trost ihre Eltern bei sich zu haben. Hans hatte sich auf einen Stuhl gesetzt, den er an das Bett heran gezogen hatte. Gerda dagegen saß auf dem Bett und hielt die ganze Zeit über Anitas Hand.
„Warum nur hat er das getan?“
„Ich weiß es nicht Mama. Er schien in der Nacht nicht er selbst gewesen zu sein.“
„Wieso. Ich kann das nicht begreifen. Du bist so ein gutes Kind, hast nie jemanden etwas Böses getan“, schluchzte Gerda.
„Es wird wieder werden“, meinte Hans.
Er stand auf und legte seine Arme auf die Schultern seiner Frau. Sie zitterte am Körper.
Anita war von dieser Szene ihrer Eltern berührt. Auch ihr liefen die Tränen übers Gesicht. Ohne jede Emotion sagte sie dann:
„Ich habe mein Baby verloren.“
Darauf waren ihre Eltern nicht gefasst und reagierten geschockt. Hans musste sich setzen und Gerda brach fast zusammen. Beide hatten sich so sehr auf das Enkelkind gefreut. Nur langsam konnte sich die Familie wieder beruhigen.
So sehr sie sich auch darüber freute, dass ihre Eltern bei ihr waren, es strengte sie an. Das merkten die Beiden auch und verabschiedeten sich bald darauf.

Anita kam wieder auf die Beine und machte kurze Spaziergänge über die Flure der Station auf der sie lag. Es ging ihr von nun an von Tag zu Tag besser. Den Verlust ihres Kindes verarbeitete sie nur langsam. Der Krankenhausseelsorger besuchte sie fast jeden Tag und sprach mit ihr. Das tat gut, bereitete aber gleichzeitig auch Schmerzen. Mit den Schwestern der Station freundete sich Anita an. Besonders die rothaarige Tina mochte sie. Über die Scherze die Krankenschwester Mary machte konnte sie nicht lachen. Die Frau meinte es sicherlich gut und wollte sie damit aufmuntern. Das funktionierte leider nicht. Die Zeit verging. Es war Herbst geworden.

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Montag, 11. März 2013
21. Kapitel

„Gehen sie aus dem Weg…“
„Was ist passiert?“
Weit entfernte Worte die Anita durch einen Nebel hindurch wahr nahm.
„Das arme Ding. Wissen sie was passiert ist?“
„Nein. Schrecklich, dass so etwas bei uns…“
„Machen sie doch endlich Platz.“
Vor Schmerzen benebelt konnte sie das Stimmengewirr nicht zuordnen. Anita hörte noch ein lautes Schlagen. Dann war es still.
Plötzlich ertönten Sirenen. Sie erschrak. Sehen konnte sie so gut wie gar nichts. Ihre Augen waren verklebt. Jemand war bei ihr, das spürte Anita genau. Sie war jedoch zu schwach um sich mit den Händen über die Augen zu wischen oder gar aufzurichten.
Das Heulen der Sirenen bekleideten sie. Der Schmerz drang unaufhaltsam und brutal in ihr Bewusstsein. Sie schmeckte Blut auf ihrer Zunge und ekelte sich davor. Übelkeit überkam sie. Anita hatte das Gefühl, dass sie sich gleich übergeben müsste. Sie musste würgen. Das verursachte einen Schmerz im Hals, dass ihr die Luft weg blieb. Sie röchelte. Die Übelkeit verflog zum Glück – jedoch war ihre Kehle wie zugeschnürt. Eine Hand berührte ihren Arm ganz sacht. Das sollte sie wahrscheinlich beruhigen verursachte aber nur, dass Panik in ihr aufkam. Sie zuckte zusammen. Die Schmerzen in ihr wurden immer mächtiger. Sie hatten von ihr Besitz ergriffen. Was geschehen war konnte Anita nicht begreifen. In ihrem jetzigen Zustand war sie auch nicht in der Lage klare Gedanken zu fassen. Sie gab sich der Schwäche ihres Körpers hin.

Der Notarztwagen hielt gerade vor der Notaufnahme des Calwer Krankenhauses. Anita krümmte sich vor Schmerzen. Langsam erwachte sie aus ihrer Bewusstlosigkeit. Die Schmerzen in ihrem Unterleib waren unerträglich. Sie schrie. Sie weinte. Ihre Umgebung nahm sie nur durch einen Schleier wahr.
Ein Mann in einem weißen Kittel versuchte sie zu beruhigen. Ohne Erfolg. Anita war immer noch benommen, meinte Markus versuche ihr wieder weh zu tun. Sie schlug blind um sich. Der Sanitäter versuchte sie zu packen. Sie wehrte sich – mobilisierte die letzten Kräfte. Endlich konnte der Mann sie umklammern. Ein zweiter Sanitäter gab ihre eine Spritze.
"Gleich wird es wieder besser“, sagte eine tiefe männliche Stimme zu ihr.
"Die Schmerzen! Es tut so weh“, jammerte sie.
"Bleiben sie ruhig. Versuchen sie nicht zu reden. Wir werden uns schon um sie kümmern."
Die Türen des Wagens wurden geöffnet. Die Trage auf der sie lag wurde nach hinten geschoben. Zwei Männer nahmen sie in Empfang und befestigten sie auf einem Rollgestell.
Eilig wurde Anita in das Innere des Krankenhauses geschoben. Viele Menschen waren nun um sie. Schemenhafte Gestalten konnte Anita erkennen, wusste aber nicht wo sie sich befand.
"Sie ist zusammen geschlagen worden. Sicherlich hat sie innere Verletzungen. Es sieht nicht gut aus. Bereitet schon einmal alles vor."
Das war alles was sie noch hörte.
Dann fiel Anita wieder in ein schwarzes Loch.

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Das neue Album von Fangoria läuft und läuft bei mir. Ich kann mich nicht satt daran hören. Immer wieder entdecke ich noch neue Nuancen bei den einzelnen Songs.
Nachdem Fangoria bereits die Spitze in den Promusicae-Verkaufs-Charts erreicht haben ist es kein Wunder, daß sie auch in den offiziellen spanischen Album-Charts auf Platz 1 eingestiegen sind. Das haben sie verdient.
Gerne würde ich sie doch mal live erleben.

Später gibt es noch ein Kapitel von "Verspielte Träume". Die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt, hat aber eine grausame Wende vollzogen. Es ist halt nicht immer alles eitel Sonnenschein im Leben. Ich möchte allerdings gar nichts weiter verraten und euch einfach weiterhin viel Freude beim Lesen wünschen.

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