Freitag, 8. März 2013
20. Kapitel

Es war eine stürmische Nacht als es passierte. Regen peitschte gegen das Schlafzimmerfenster. Anita hatte sie bereits früh hingelegt. Ihr Freund war noch nicht wieder nach Hause gekommen.
Nach der Arbeit war er kurz daheim gewesen. Wie fast jeden Abend hatte Anita bereits das Abendessen vorbereitet. Da sie in Calw und Markus in Nagold arbeitete war sie immer bereits eine Stunde früher zuhause als er. Die Zeit nutzte sie um zu kochen.
Schweigend hatte er mit ihr zu Abend gegessen. Während sie versuchte ein Gespräch zu beginnen war ihr Freund schweigsam und seltsam verschlossen. Schnell und lustlos hatten sie gegessen. Danach zog sich Markus um. Seine Arbeitsklamotten tauschte er gegen Jeans und Pullover. Währenddessen brachte Anita die Küche wieder in Ordnung.
Wie so oft ging er noch weg und verabschiedete sich mit den Worten, dass er sich mit einem Freund treffen wolle. Er kam in die Küche und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Dann war er auch schon weg. Wenig später hörte sie wie er mit dem Auto davon fuhr. Anita blieb traurig zurück.

Das ging nun seit mehreren Wochen so. Nach dem Abend mit Elke hatte sie in aller Ruhe mit Markus geredet. Er benutzte Ausreden, schob es wieder auf seine Arbeit. Mit der Schwangerschaft habe es nichts zu tun und er freue sich auf das Baby. Anita war nur wenig beruhigter dadurch. Ihr Freund verschloss sich immer mehr vor ihr. Sollte er etwa doch eine Affäre haben? Durch ihre Schwangerschaft hatte sie ein paar Kilos zugelegt und sie fühlte sich weitaus weniger attraktiv. Auch ein neuer Haarschnitt änderte daran nichts. Sie trug ihre Haare nun noch kürzer und hatte sie sich dunkelrot färben lassen. Erst fand sie es toll, doch inzwischen mochte sie die Haarfarbe schon nicht mehr.

Von Irgendwo her erklang ein Krachen. Anita, die sich in den Schlaf geweint hatte, schreckte hoch. Sie lag schon in Träumen und wusste nun nicht, ob sie geträumt hatte oder das Geräusch real war. Sie lauschte.
Zunächst war weiter nichts zu hören. Sie glaubte schon, dass sie einen sehr lebhaften Traum gehabt hatte.
Doch dann...
Die Tür zum Schlafzimmer wurde aufgestoßen und krachte mit voller Wucht gegen die Wand. Anita fuhr erschreckt hoch. Vor Verblüffung brachte sie kein Wort hervor. Aus dem Flur drang Licht in das Schlafzimmer. Eine schwankende Schattengestalt war zu erkennen.
Es war Markus der unter dem Türrahmen erschien.
Endlich fand Anita wieder Worte:
"Bist du verrückt. Mitten in der Nacht solch' einen Lärm zu veranstalten."
Jetzt war sie richtig wach und hatte Wut im Bauch. So was war noch nie vorgekommen. Ihre Mundwinkel zuckten. Der Puls raste.
„Ach, halt die Klappe“, warf er ihr verachtend entgegen.
Anita war verdutzt. Markus hatte sie noch nie so angefahren. Sie bekam Angst und zog die Decke hoch bis unters Kinn. So hockte sie nun im Bett und starrte ihren Freund an.
Er schwankte auf sie zu. Seine Augen konnte sie nicht erkennen - dazu war es zu finster. Das Licht aus dem Flur brachte nicht genügend Helligkeit in den Raum. Wäre es heller gewesen hätte sie den weggetretenen Ausdruck in seinen Augen gesehen.
Was würde jetzt passieren? Etwas war mit ihm geschehen. Aber was?
"Du bist der letzte Dreck in meinen Augen."
Die Stimme klang überhaupt nicht nach Markus.
"Was redest du denn? Bist du betrunken oder was ist los mit dir?"
Eine Antwort bekam sie von Markus nicht. Stattdessen erhob er die rechte Hand.
Was dann geschah war unbegreiflich für Anita. Er stürzte auf das Bett zu, riss ihr die Bettdecke, die sie mit beiden Händen festhielt, weg und schleuderte sie zur Seite. Dann schlug er sie ins Gesicht. Anita schrie auf und versuchte ihr Gesicht mit den Armen zu schützen. Seine Fäuste hämmerten auf den Bauch, die Brust und den Hals. Der Schmerz trieb ihr die Tränen in die Augen. Sie begann zu flehen er solle aufhören. Das steigerte seine Wut und er schlug noch kräftiger zu.
Anita war schon benommen, versuchte sich aber noch zu wehren. Sie strampelte mit den Beinen, versuchte nach ihm zu treten. Es war zwecklos. Seine Fäuste trafen sie überall. Immer härter schlug er zu. Wie lange das so weiter ging wusste sie nicht.
Irgendwann wurde ihr schwarz vor Augen und sie verlor das Bewusstsein.
Markus hörte nach einer endlos wirkenden Zeit auf seine Freundin zu schlagen. Der Rausch verebbte.
"Du hast es nicht anders verdient, du Schlampe", flüsterte er in die Dunkelheit.
Jedoch hörte ihm niemand mehr zu.
Markus erwachte langsam aus seiner Trance. Da im Zimmer kein Licht war sah er das ganze Blut auf dem Laken nicht. Nur langsam wurde ihm bewusst was er eben getan hatte. Wie von Sinnen stürmte er aus der Wohnung.
Ein Nachbar, der den Streit mitbekommen hatte trat eben seiner Wohnungstür und sah Markus gerade noch zur Hautür hinaus fliehen. Sofort eilte er in die Wohnung zurück und informierte die Polizei.

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Mittwoch, 6. März 2013
Heute gibt es eine Unterbrechnung von "Verspielte Träume". Der Grund: Gestern erschien endlich das neue Album von Fangoria. Das ist eine spanisches Synth-Rock-Band (eigentlich ein Duo), die absolut geile Musik machen, die etwas abseits des typischen spanischen Stils liegt. Ich bin Fan seit ich das erste Mal "Hombres" gehört habe.
Das neue Album mußte ich mir natürlich sofort besorgen.
Nach ihrem letzten Studioalbum "Absolutamente", das 2009 Platz 1 in den spanischen Charts erklomm, war die Erwartungshaltung der Fans natürlich hoch und was kann ich sagen:
Fangoria haben in keinster Weise enttäuscht - im Gegenteil - "Cuatricromia" ist ein absolutes Hammeralbum und ist direkt auf Platz 1 in den spanischen Promusicae-Verkaufs-Charts eingestiegen - mit Recht.
Glückwunsch meinerseits dafür.
Im Moment läuft das Album bei mir rauf und runter.
Schade ist eigentlich nur, daß sie in Deutschland kaum jemand kennt. Verdient hätten sie es.
Ich kann jedem nur empfehlen mal in eines ihrer inzwischen zahlreichen erschienenen Alben reinzuhören.

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Montag, 4. März 2013
19. Kapitel

Das Paar wohnte nun schon eine ganze Weile in der Wohnung. Alles war inzwischen perfekt eingerichtet. Das hatte zwar noch ein paar Wochen in Anspruch genommen, doch hatte sich die Mühe gelohnt. Anitas Freundin Elke war von der Wohnung begeistert. Besonders das Kinderzimmer gefiel ihr. Die bunte Tapete mit den lustigen Ballonen darauf hatte es ihr angetan.
Das erwähnte die Frau bei jedem ihrer Besuche, so auch heute.
"Das Kinderzimmer ist ein absoluter Traum. Ihr habt hier alles so schön eingerichtet und trotzdem scheinst du in den letzten beiden Wochen total unglücklich zu sein. Stimmt etwas nicht? Hast du Probleme mit der Schwangerschaft?"
"Nein, mit dem Kind ist alles in Ordnung. Ich war erst gestern wieder beim Arzt und habe mich untersuchen lassen. Es ist etwas anderes."
Anita wollte nicht so recht mit der Sprache raus rücken. Elke ließ aber keine Ausflüchte gelten und wollte wissen was Sache ist. Nach einigem Zögern erzählte Anita ihr was sie bedrückte.
"Es ist wegen Markus. In den letzten Wochen war er immer öfters weg. Er ist oft schlecht gelaunt wenn er dann nach Hause kommt."
"Meinst du er bekommt kalte Füße wegen dem Baby. Ich meine..."
"Nein, das glaube ich nicht. Er hat sich riesig gefreut als ich ihm sagte, dass ich schwanger bin und er freut sich darauf Vater zu werden."
Elke schüttelte den Kopf. Dabei fiel ihr eine Strähne des Haares ins Gesicht. Sie strich sie mit der linken Hand zurück.
"Das war vor Monaten. Damals war nichts zu sehen. Jetzt sieh dich an. Du bist fett."
Das sagte sie mit einem leicht ironischen Unterton. So wollte sie ihre Freundin aus der Reserve locken. Sie merkte, dass Anita immer noch ziemlich verschlossen war und nicht so richtig darüber reden wollte. Früher provozierten solche Spitzen ihre Freundin und dann wehrte sie sich verbal.
"Ja, aber nur wegen dem Kind."
"Das weißt du. Das weiß ich. Wie sieht es aber mit Markus aus?"
"Ich bitte dich Elke. Er ist ein aufgeklärter Mann. Außerdem bin ich gar nicht so fett. Bis jetzt ist kaum etwas zu sehen."
"Das hat gar nichts zu sagen. Er hat schließlich noch keine Schwangerschaft miterlebt, oder?"
"Nein, das hat er nicht."
"Na siehst du. Du bist jetzt im sechsten Monat schwanger."
"Das ist es auch nicht. Es ist etwas anderes. Ich verhalte mich völlig normal, wenn du weißt was ich meine."
"Ja, du hast keinen Heißhunger auf Torte mit saueren Gurken."
Dabei musste Elke grinsen. Anita fiel es schwer ernst zu bleiben.
"Genau. Mir ist morgens auch nicht mehr übel wie das am Anfang meiner Schwangerschaft der Fall war."
Die beiden Frauen redeten noch eine ganze Weile über Markus' seltsames Verhalten.
Elke fragte Anita ob er wieder mit dem Spielen angefangen habe. Das war jedoch nicht der Fall.
Der Abend war schon weit voran geschritten. Dann tauchte Markus auf. Er begrüßte die zwei Frauen und wechselte nur ein paar Worte mit ihnen. Dann verschwand er im Schlafzimmer.
"Der war aber kurz ab."
"Das ist das was ich meinte", sagte Anita.
"Sag mal, habt ihr zwei überhaupt noch Sex. Kommt er vielleicht zu kurz? Hat er gar eine Affäre mit einer anderen Frau."
"Das glaube ich nicht. Er ist nicht der Typ fürs Fremdgehen. Wir haben hin und wieder Sex. Oft hat er aber keine Lust. Meinst du mein Körper stößt ihn ab?"
"Nee oder vielleicht doch. Ich weiß nicht wie beliebt Walrösser bei den Jungs sind“, scherzte Elke.
Ihr war die Situation inzwischen viel zu ernst geworden. Sie merkte, dass ihre Freundin langsam aber sicher in ein tiefes Loch zu fallen drohte. Dem musste sie entgegen steuern. Mit einem breiten Grinsen blickte sie Anita in die Augen. Es wirkte. Die Frauen brachen in Lachen aus. Es dauerte eine ganze Weile bis sie sich wieder beruhig hatten.
"Es wird sich bestimmt alles klären. Vielleicht solltest du einmal in aller Ruhe mit Markus reden."
"Ich weiß nicht so recht..."
"Das kann ich auch übernehmen."
Anita war schockiert.
"Alles nur das nicht. Nein, ich werde es schon selbst tun."
Wieder musste Elke an ihre zerbrochene Beziehung denken und hoffte für Anita dass es nichts Schlimmes war, das Markus zu seinem Verhalten trieb. Es wäre undenkbar wenn der Mann Anita sitzen lassen würde, jetzt da sie ein Kind von ihm erwartete.
"Meine Güte“, rief Elke aus, "es ist schon weit nach Mitternacht. Ich müsste längst schon im Bett liegen. Ich muss morgen zur Arbeit."
"Ich auch. Nur muss ich nicht mehr so weit fahren", scherzte Anita.
Die Freundinnen verabschiedeten sich voneinander. Dies sollte für eine lange Zeit der letzte gemeinsame vergnügliche Abend für die Frauen gewesen sein.

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