Freitag, 1. März 2013
18. Kapitel

Endlich war es soweit. Der Tag des Umzugs war gekommen. Seit Tagen schon war Anita damit beschäftigt in ihrer alten Wohnung Kartons mit Sachen zu packen, die sie im Moment nicht mehr benötigte und dabei wurde gleich Einiges aussortiert. Schränke wurden von ihr ausgeräumt. Dabei fand sie etliche Dinge an die sie schon lange nicht mehr gedacht hatte. Schöne Erinnerungen an alte Zeiten kamen dabei hoch. Außerdem topfte sie noch ein paar Zimmerpflanzen um. Sie fand, dass dafür der richtige Augenblick war. Ihre Mutter war immer wieder an ihrer Seite um sie zu unterstützen.
Viele andere Kleinigkeiten die schon vor einem Umzug erledigt werden konnten, nahm sie in Angriff. Anita holte Unterlagen von verschiedenen Ämtern, füllte sie sorgfältig aus - gab sie wieder ab. Das Telefon meldete sie um und bei der Post stellte Anita einen Nachsendeantrag, obwohl ihre Eltern weiterhin ihre Post annehmen würden. Doch das wollte sie nicht unbedingt.
Am ersten Wochenende im August ging es dann hoch her. Außer Elke halfen noch Anitas Eltern. Markus Eltern wohnten zu weit weg. Von den Arbeitskollegen und weiteren sogenannten Freunden hatten sie Absagen erhalten. Wie bei solchen Aktionen üblich schien plötzlich niemand Zeit zu haben. Anita war das aber auch ganz recht. Es dauerte mit so wenigen Leuten zwar länger - aber dafür konnte sie alles besser überblicken.
Nachdem sie den Lkw, den ihr Vater besorgt hatte, mit ihren Sachen voll geladen hatten, fuhren sie nach Altburg zur neuen Wohnung. Sie lag zum Glück im 1. Stock des 5-Familien-Hauses und so mussten sie nicht die ganzen Kartons und Möbel über zig Treppen nach oben schleppen.
Als sie alles ausgeladen hatten ging es zur Wohnung von Markus. Dort wiederholte sich das ganze Spiel. Wieder wurde der LKW mit Möbeln, Kartons und Sonstigem voll geladen.
Das mit den Möbeln war eh so eine Sache. Da Markus und Anita eine Wohnung hatten, war nun vieles doppelt vorhanden. Das, was sie im Endeffekt wirklich behalten wollten, und das was weg gegeben werden könnte wollten sie später klären. Zunächst wurden alle Möbel hergebracht.
Am späten Nachmittag hatten sie endlich alles geschafft. Sie waren komplett erledigt und freuten sich auf die wohl verdiente Pause mit erfrischenden Getränken.
"Hast du dich auch nicht überanstrengt", wollte Gerda von ihrer Tochter Anita wissen. Die Frau machte sich etwas Sorgen um ihre Tochter. Auf ein paar Stühlen die mitten im Wohnzimmer standen hatten sie sich gesetzt. Um sie herum herrschte das pure Chaos.
"Nein Mutter, mir geht es gut. Ich bin ja erst im dritten Monat schwanger."
"Trotzdem solltest du heute nichts mehr arbeiten. Lass einfach alles stehen und liegen wo es ist."
"Das ist einfach gesagt Mutter. Es sieht hier aus als hätte eine Bombe eingeschlagen."
"Ihr hättet eben vor dem Umzug absprechen sollen, welche Möbel ihr behaltet und welche ihr weg gebt. Zudem ist das bei einem Umzug immer so. Das kannst du mir glauben. Ich habe das schon ein paar Mal mitgemacht. Bei jedem Umzug habe ich aber immer genau überlegt was mitgeht und was aussortiert wird."
"Ja, das wäre sicher besser gewesen. Vor allem wenn zwei Haushalte zu einem zusammen wachsen."
Anita brachte ein angestrengtes Lächeln hervor. Die Erschöpfung war ihr nun doch anzumerken. Gerda nahm ihre Tochter in den Arm und drückte sie fest an sich.
„Meine Kleine wird vollends erwachsen“.
Markus und Anitas Vater Hans trugen gerade noch ein Sideboard herein und stellten es im Korridor ab. Dann kamen sie zu den beiden Frauen ins Wohnzimmer. Sie mussten dabei über zerlegte Möbel und zig Kartons steigen.
"Ein einziges Chaos", meinte Hans.
"Da kommt noch eine Menge Arbeit auf uns zu“, meinte Markus als er den Blick durch das Wohnzimmer schweifen ließ.
"Ja, aber nicht heute", mischte sich Gerda ein, "Anita soll sich nicht überanstrengen."
"Natürlich nicht."
Markus war ganz ihrer Meinung. Für heute wollten sie Schluss machen. Gerda lud das junge Paar zum Abendessen ein. Damit waren sie einverstanden. Wenig später verließen sie die Wohnung und sperrten das Chaos für den Abend ein.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Mittwoch, 27. Februar 2013
17. Kapitel

In den darauf kommenden Wochen waren Markus und Anita damit beschäftigt eine geeignete Wohnung zu finden. An den Wochenenden durchsuchten sie die Tageszeitungen nach in Frage kommenden Objekten. Ein paar Besichtigungstermine hatten sie schon hinter sich gebracht. Bislang war aber noch nicht die richtige Wohnung dabei. Es dauerte zwar etwas, doch dann fand sich eine Wohnung, die in der Annonce vielversprechend klang. Es war ein Objekt in Altburg. Markus rief direkt an. Die Telefonnummer stand in der Anzeige. Es meldete sich eine männliche Stimme.
Während Markus telefonierte holte sich Anita noch etwas zu Trinken aus ihrer Küche. Dann las sie in der Tageszeitung weiter. Sie informierte sich über die neuesten Ereignisse in der Region.
"So, ich habe mit einem Herrn Müller gesprochen", sagte Markus zu Anita als er den Telefonhörer aufgelegt hatte.
Anita legte die Zeitung beiseite und blickte zu Markus auf der an die Couch heran getreten war. Er strahlte sie an. Sie liebte diese Strahlen im Gesicht ihres Freundes.
"Nun, was hat der Mann denn gesagt", wollte sie wissen.
"Kurzum, wir haben für morgen einen Besichtigungstermin vereinbart. Ich hoffe das ist dir recht?"
"Und ob mir das recht ist. Um wie viel Uhr sind wir mit diesem Herrn Müller denn verabredet?"
"Gegen 13.00 Uhr sollen wir in Altburg sein. Die ganz genaue Adresse hat er mir auch noch durchgegeben."
"Ich bin gespannt wie die Wohnung aussieht. Hoffentlich ist sie die Richtige für uns. Wir haben schon lange genug gesucht."
Dem musste Markus beipflichten.
"Das kannst du laut sagen. Aber wieso sollen wir nicht auch Glück haben."
"Ich kann nur hoffen, dass außer uns nicht noch jemand für die Wohnung Interesse gezeigt hat."
"Das denke ich ist nicht der Fall. So wie Herr Müller klang glaube ich das zumindest nicht."

Am Nachmittag ging das junge Paar spazieren. Während sie durch das Würzbacher Moor gingen - Anita fand diesen Ort so romantisch - sprachen die Beiden über die Wohnung und was alles getan werden müsste, wenn sie sie bekämen. Länger als zwei Stunden waren sie schon gegangen und Anita wurde langsam müde. Also machten sie sich auf den Rückweg.
Das Abendessen nahmen sie noch gemeinsam ein. Dann wollte Markus sich auf den Weg nach Hause machen. Doch Anita überredete ihn mit ihren weiblichen Reizen besser über Nacht zu bleiben. Es wurde eine stürmische und leidenschaftliche Nacht. Weit nach Mitternacht schliefen die Beiden ein. Lange hatten sie sich innig geliebt.
Erst spät standen sie am nächsten Tag auf und duschten gemeinsam. Dann nahmen sie noch ein kräftiges Frühstück ein. Es war schon eher ein Brunch. Das Mittagessen ließen die Beiden ausfallen. Bereits kurz nach 12.30 Uhr machte sich das Paar auf den Weg. Verspäten wollten sie sich auf keinen Fall. Es war ihnen wichtig pünktlich zu sein um einen guten ersten Eindruck zu machen. Allerdings mussten sie noch lange auf Herrn Müller warten.
Dann kam er endlich. Er entschuldigte sich für sein zu spät kommen. Es war ein älterer Herr, der abgehetzt auf sie zukam. Anita schätzte ihn auf Ende 50.
Die Wohnung lag im ersten Stock eines 5-Familien-Hauses im Ortskern vom Calwer Stadtteil Altburg.
Die 3-Zimmer-Wohnung mit Küche und Bad gefiel dem jungen Paar direkt. Das war genau die Wohnung, die Beiden vorschwebte. Es gab auch noch einen Balkon. Während der Besichtigung hatten sie ein Gespräch mit Herrn Müller. Sie erzählten von ihrer Arbeit, von ihrem Leben, von den Wünschen und Erwartungen an die Wohnung.
Das Gespräch mit dem Vermieter war erfolgreich verlaufen denn er meinte, dass die Beiden jungen Leute die Richtigen wären und auch gut zur Nachbarschaft passen würden.
Er überreichte Markus einen vorgefertigten Mietvertrag.
"Sie müssen den Vertrag nicht sofort unterschreiben. Sie dürfen ihn gerne mitnehmen und in aller Ruhe durchlesen", meinte der ältere Mann.
"Das ist nicht nötig", antwortete Markus.
"Alles was wir wissen müssen haben sie ja bereits erwähnt Herr Müller", sagte Anita.
So wurde der Vertrag direkt unterzeichnet und das junge Paar bekam die Schlüssel ausgehändigt. Damit hatte das Paar gar nicht gerechnet. Da die Wohnung aber leer stand, meinte Herr Müller, dass sie direkt die Schlüssel haben könnten, obwohl der Mietvertrag erst zum nächsten Monatsbeginn ausgestellt war. Gerne nahmen sie ihn entgegen. Dann verabschiedeten sie sich voneinander.

Anita war aufgeregt wegen des Umzuges der nun bevor stand. Ihre beste Freundin Elke bot sofort ihre Hilfe an, als sie davon erfuhr. Das junge Paar war dankbar für jede Hilfe die sie kriegen konnten. Bevor sie aber mit dem Umzug beginnen konnten, musste die 3-Zimmer Wohnung erst einmal renoviert werden. Das übernahm Markus. Anita half nur abends und an den Wochenenden etwas. Sie bekam vom Geschäft keinen Urlaub. Im Moment war sie dort unentbehrlich.
Was würde ihr Chef sagen, wenn er erfuhr dass Anita schwanger war? Darüber machte sich die Frau langsam Gedanken. Allzu lange konnte sie ihre Schwangerschaft nicht mehr verheimlichen. Das wollte sie auch gar nicht.
In der neuen Wohnung wurden erst einmal die ganzen Wände in Weiß gestrichen. Dann wurde noch ein neuer Teppichboden gelegt.

... link (0 Kommentare)   ... comment


Montag, 25. Februar 2013
16. Kapitel

Seit ihrem Urlaub schon war Anita morgens immer übel. Hatte sie im Urlaub noch gedacht, dass es an dem ungewohnten Essen läge, machte sie sich doch nun langsam Sorgen. Kurzfristig vereinbarte die Frau einen Termin bei ihrem Arzt.
Während sie nun im Wartezimmer saß, kam sie ins grübeln. Dabei viel ihr ein, dass ihre letzte Regel schon lange überfällig war. Sollte sie etwa?
Die Sprechstundenhilfe rief Anitas Namen auf und riss sie aus ihren Gedanken. Mit einem leicht mulmigen Gefühl betrat sie das Sprechzimmer und wartete auf den Arzt. Der Raum war ihr vertraut. Über die Jahre hatte er sich nie verändert.
Den älteren Mann, der die Tür öffnete und herein kam, kannte sie schon seit ihrer Kindheit. Zu ihm hatte sie vertrauen. Als der Arzt den Raum dann betrat stand Anita kurz auf. Er begrüßte sie mit kräftigem Handschlag und bat sie sich wieder zu setzten. Er nahm ihr gegenüber Platz und fragte nach ihrem Befinden. Anita erzählte wie sie sich fühlte. Der Arzt hörte interessiert zu und stellte zwischendurch ein paar Fragen. Dann untersuchte er sie gründlich.
Es stellte sich tatsächlich heraus, dass sie schwanger war. Die Frau konnte es gar nicht fassen. Schon lange hatte sie sich heimlich ein Baby gewünscht. Doch was würde Markus dazu sagen? Würde er sich auch freuen? Sie war sich da nicht sicher. Das war für die Beiden bisher kein Thema gewesen zumal die Beziehung auf Messers Schneide gestanden hatte. In ihrem Urlaub waren sie sich nun aber wieder sehr nahe gekommen und das war eine gute Basis.
Ob Markus sich genauso freuen würde wie sie wollte Anita in Erfahrung bringen. Für den Abend lud sie deshalb Markus ein.
Den ganzen Tag über war sie unruhig gewesen. Immer wieder kehrten ihre Gedanken an die Schwangerschaft zurück. Auf ihre Arbeit konnte sie sich gar nicht konzentrieren. Es wäre besser gewesen sich für den Tag krank schreiben zu lassen. Doch den Termin hatte sie bereits um neun Uhr gehabt. So ging sie am Nachmittag arbeiten.

Ein paar Stunden später saßen die beiden jungen Leute in Anitas Wohnzimmer.
"Was ist denn so wichtig, dass ich unbedingt vorbei kommen sollte", wollte Markus wissen.
Anita trank noch einen Schluck Wasser. Sie stellte das Glas ab und wand sich ihrem Freund zu der direkt neben ihr auf der Couch saß.
"Ich war heute Morgen beim Arzt und..."
"Doch nicht etwa was Schlimmes!"
Markus machte ein besorgtes Gesicht und griff nach der Hand seiner Freundin.
"Nein im Gegenteil. Ich bin schwanger", platzte Anita heraus.
Zu lange hatte sie warten müssen um es ihrem Freund zu sagen. Nun wollte sie nicht lange um den heißen Brei reden. Sie sah ihm direkt in die Augen um seine Reaktion darin ablesen zu können. Sie begannen zu leuchten.
"Was! Oh, das gibt es doch nicht. Das kann ich nicht glauben. Ich werde Vater."
Markus war ganz außer sich vor Freude. Er sprang auf, zog seine Freundin zu sich in die Arme und küsste sie.
"Langsam, langsam."
"Ich werde Vater! Ich werde Vater!"
Anita war erleichtert. Sie hatte befürchtet, dass Markus wütend werden könnte. Sie hätte nicht geglaubt, dass ihr Freund sich so sehr freuen würde.
Darüber hatten sie noch nicht gesprochen. Es schien nie wichtig gewesen zu sein.
Jetzt aber redeten die Beiden den ganzen Abend darüber. Es wurden Pläne geschmiedet, über Namen für das Kind gestritten.
"Wir sollten endlich zusammen ziehen", meinte Markus während des Gespräches, „wir werden eine kleine Familie. Ich kann das noch gar nicht fassen.“
Das wunderte Anita allerdings. Bisher hatte er sich immer geweigert eine gemeinsame Wohnung zu nehmen. Markus wollte sein Unabhängigkeit nicht einfach für eine Beziehung aufgeben.
Das war nun vorbei. Seit ihrem gemeinsamen Urlaub hatte er sich verändert. Er war ausgeglichener, hatte mehr Zeit für sie. Er spielte auch nicht mehr. Das hatte sie inzwischen von Elke erfahren. Sie hatte sich als Privatdedektivin betätigt - ohne das Wissen von Anita. Sie war zwar erst mal sauer, doch dann aber froh zu erfahren, dass ihr Freund nicht mehr sein ganzes Geld verspielte. Es wurde sehr spät und so verbrachte Markus die Nacht bei seiner Freundin.

... link (0 Kommentare)   ... comment