Sonntag, 26. Mai 2013
Da sitzt sie nun auf gepackten Koffern und wartet, dass die Reise endlich losgeht. Elke wird langsam ungeduldig. Sie möchte, dass ihre Geschichte erzählt wird. Noch ist es nicht soweit und im Moment glaube ich auch nicht, dass der richtige Zeitpunkt ist.
Mein Blick geht nach vorne nicht zurück. Ich habe selbst gesagt, dass das Leben ständigen Veränderungen unterworfen ist und daß es gut so ist. Ganz so einfach ist es aber nicht und ich will auch nicht Alles bedingungslos und ohne "Kampf" akzeptieren.
Meine Aufmerksamkeit gilt im Moment meinem vierbeinigen Begleiter - seit nunmehr 11 Jahren ein Teil meines Lebens.
Mein Kater Teddy, ein waschechter Maine Coon. Er ist sehr krank. Zuerst dachte ich an eine Bindehauterkrankung – diese wurde allerdings nicht besser sondern der Zustand seines rechten Auges wurde immer schlimmer. Eine eingehende Untersuchung brachte ein schreckliches Ergebnis. Er ist unheilbar an Krebs erkrankt. Karzinom auf den Schleimhäuten. Eine besonders bösartige Krebserkrankung.
Er ist jetzt 12 Jahre alt. Auf menschliche Jahre umgerechnet 70. Ein schönes Alter.

War er einst ein stolzer und anmutiger Kater, so sitzt er heute oft zusammengekauert vor der Terrassentür und blickt wehmütig umher. In diesen Augenblicken denke ich - es wäre schön einmal in die Gedankenwelt dieses Katers Einblick zu haben. Woran denkt er? Was nimmt er wahr? Erinnert er sich an frühere Zeiten? Weiß er, wie schwer er erkrankt ist?

Wie lange uns noch bleibt, das weiß ich nicht. Ich versuche ihn zu verwöhnen und das Beste zu geben. Mit einem Jahr habe ich ihn aus dem Tierheim geholt. Ich weiß, dass er ein schönes Leben bei mir hatte und hat.
Nun gibt es gute Tage und es gibt schlechte Tage. Über die guten Tage freue ich mich. Die Schlechten stimmen mich traurig, da ich weiß, dass er mich in naher Zukunft verlassen wird (vielleicht belehrt er mich aber auch eines Besseren).
Ich sehe mir öfter alte Bilder an die mir Freude bereiten. Sein Kumpel, ebenfalls ein Stubentiger aus dem Tierheim (er war jünger als Teddy), hat uns schon vor Jahren verlassen.
Irgendwann werden die Beiden wieder gemeinsam durch die Gegend stromern und Abenteuer erleben. Sylvester und Teddy – ein tolles Team. Sie werden Tom und Fluse treffen, zwei Perser eine Generation älter als sie.
Der Blick zurück ist schön gleichzeitig reißen aber auch alte Wunden auf.

Doch zurück zu Elke. Da sitzt sie nun und wartet auf eine Reise in die Vergangenheit. Ich muss sie aber fragen: Willst du wirklich die Reise unternehmen? Möchtest du die Freuden der Vergangenheit noch einmal erleben? Bist du aber auch bereit die Schmerzen und die Trauer jener Zeit noch einmal zu ertragen?
Wir werden sehen wie sie sich entscheidet.

Ich jedenfalls möchte noch „eine kleine Zeit“ das Leben mit meinem Kater genießen.






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