Dienstag, 2. April 2013
28. Kapitel

Nach zwanzig Minuten Fahrt war Anita schon bei ihrer Freundin in Höfen angekommen. Sie wäre sogar noch etwas eher da gewesen, doch wollte sie bei dem Regen nicht so schnell fahren.
"Komm' herein und mache es dir bequem", wurde sie von Elke begrüßt.
Sie nahm Anita die nasse Regenjacke ab und hängte sie an die Garderobe. Währenddessen zog ihre Freundin ihre Schuhe aus und stellte sie auf eine Kunststoffmatte neben der Tür.
"Eigentlich hatte ich bei dem Wetter keine Lust zu kommen, du hast am Telefon aber so geklungen als hättest du mir etwas Wichtiges zu sagen."
Elke war verlegen. Sie ging ins Wohnzimmer und setzte sich auf die Couch. Anita gesellte sich zu ihr.
"Nun, das habe ich auch. Allerdings was ich dir zu sagen habe wird wenig erfreulich für dich sein - nehme ich an."
"Du tust so geheimnisvoll", erwiderte Anita.
Statt etwas zu sagen stand Elke auf und ging in die Küche.
"Was möchtest du zu trinken“, rief sie.
"Das ist doch jetzt egal. Bring' irgendwas und rede endlich."
Nur widerwillig kam die junge Frau zurück, setzte sich auf die Couch und schaute Anita in die Augen.
"Wenn es nur einfacher wäre. Es wird mit Sicherheit ein Schock für dich sein."
Nun war Anita bis zum platzen gespannt. Den Saft den Elke aus der Küche mitgebracht hatte beachtete sie überhaupt nicht.
"Jetzt rede nicht länger um den heißen Brei herum."
"Also gut. Du weißt ja, dass ich vor kurzem einen jungen Mann kennen gelernt habe. Er heißt Daniel. Nun der hat mir einige Dinge über Markus erzählt. Ich wollte es zuerst nicht glauben und sagte ihm, dass er nur jemand anderes meinen könne."
"Was konntest du nicht glauben?“
Nun fing es auch noch an zu stürmen und der Regen peitschte gegen das Fenster. Das kam Elke nur gelegen.
"Ich muss kurz im Schlafzimmer das Fenster schließen. Bin gleich zurück."
Das konnte Anita nicht fassen. So hatte sie ihre Freundin noch nie erlebt. Sonst konnte Elke gar nicht schnell genug die neuesten Dinge berichten. Sie blickte der Blondine hinterher, die im Nebenraum verschwand. Geräusche waren zu hören.
Es dauerte ziemlich lange bis Elke zurück kam und sich wieder zu Anita auf die Couch setzte.
"Jetzt keine Ausflüchte mehr. Erzähle schon."
Anita packte ihre Freundin an den Armen. So hoffte sie, dass Elke endlich aussprach was sie zu sagen hatte.
"Okay. Daniel hat mir einiges über Markus erzählt. Zuerst wollte ich es nicht glauben."
"Du wiederholst dich. Was hat er dir erzählt?"
Anita wurde langsam richtig ungeduldig.
"Er berichtete mir von der Drogenszene in Pforzheim."
"Drogenszene von Pforzheim? Was hat das mit Markus zu tun?"
"Nun, Daniel hat sich für eine Reportage dort umgesehen. Er ist Journalist, weißt du. Er hat von einer großen Illustrierten den Auftrag bekommen eine Reportage darüber zu schreiben. Nun, darum hat er sich in Pforzheim umgesehen. Er..."
"Das ist doch egal. Weiter."
Es war für Elke nicht schwer zu erkennen, dass ihre Freundin nur das Wesentliche erfahren wollte.
"Bei seinen Nachforschungen hat er Markus getroffen. Hast du gewusst, dass er Drogen nimmt?"
Mit so etwas hatte Anita überhaupt nicht gerechnet. Mit ungläubigen Augen blickte sie ihre Freundin an. Elke machte aber ein sehr ernstes Gesicht.
"Nein, ich hatte keine Ahnung. Was für Drogen?"
"So wie Daniel erzählte, handelt es sich dabei um Ecstasy. Die neue Modedroge ist weit verbreitet. Wie ist Markus da rein geraten?"
"Ich weiß es nicht. So lange ich mit ihm zusammen war ist mir nie etwas aufgefallen. Bis zu dem schrecklichen Geschehnis."
"Nun fügt sich das Puzzle zusammen“, folgerte Elke.
"Das war also der Grund weshalb das alles geschehen ist."
Anita stand von der Couch auf und ging im Zimmer auf und ab. Dabei redete sie mit sich selbst. Dies beunruhigte Elke.
"Ist alles in Ordnung mit dir? Vielleicht hätte ich es dir besser nicht erzählt."
"Nein, es ist schon gut, dass du mir das berichtet hast. Ich muss jetzt gehen."
Geistesabwesend ging Anita hinaus auf den Korridor, zog sich ihre Schuhe und die Jacke an. Elke war ihr gefolgt blieb aber unter dem Türrahmen vom Wohnzimmer stehen.
"So kann ich dich doch nicht gehen lassen."
„Nein, das ist schon in Ordnung. Es ist gut, dass du mir alles erzählt hast. Ein paar Dinge beschäftigen mich nun aber doch. Das muss ich morgen klären. Schade, dass es nur ein kurzer Abend war. Das nächste Mal länger, versprochen.“
Sie blickte sich kurz zu ihrer Freundin um und lächelte ihr zum Abschied zu. Elke verstand den Zusammenhang von Anitas Aussage zuerst nicht. Doch dann begriff sie, was ihre Freundin meinte.
„Mach’ bitte keinen Blödsinn.“
Doch es war zu spät. Ehe Elke ihre Freundin zurückhalten konnte war sie schon durch die Wohnungstür verschwunden. Sie machte sich schwere Vorwürfe. Hoffentlich passierte Anita auf dem nach Hause Weg nichts. Beunruhigt ging sie auf den Balkon. Leider konnte sie nur noch sehen, wie der rote Polo davon fuhr. Vor Kälte zitternd ging sie zurück ins Wohnzimmer.

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