Dienstag, 19. März 2013
24. Kapitel

Nach längerem Zögern fasste Anita endlich den Entschluss Anzeige gegen Markus zu erstatten. Ihre Eltern forderten sie mehrmals dazu auf und auch Elke hatte ihr das geraten. Nach dem unangenehmen Gespräch mit Markus fiel ihr es nicht mehr so schwer. Die Liebe die sie einst für Markus empfand war wie weggewischt. Sie hatte sogar das Gefühl, das sie nie existent war. Das machte sie aber auch traurig. War die gemeinsame Zeit eine Verschwendung gewesen?
Zuvor hatte sie gar nicht daran gedacht etwas gegen Markus zu unternehmen. Anita wollte nur noch ihre Ruhe vor ihm haben. Wie sich heraus stellte hatte ihr Vater schon alles Notwendige in die Wege geleitet. Es lag nun schon bereits eine Strafanzeige gegen Markus vor. Anita musste aber noch ihre Aussage zu Protokoll geben, damit die Anzeige der Staatsanwaltschaft Tübingen übergeben werden konnte.
Am Montagnachmittag kamen ihre Eltern mit einem Polizeibeamten vorbei. Dieser sollte ihre Aussage protokollieren.
„Wenn es auch schmerzhaft ist. Ich muss Ihnen die Fragen stellen“, meinte Polizeibeamter Maier während des Gesprächs mit Anita.
Beide saßen an dem Tisch im Krankenzimmer. Der Beamte hatte ein Diktiergerät mitgebracht mit dem er die Aussage von Anita aufzeichnete. Zudem machte er sich einige Notizen auf einem Schreibblock. Während sie mit dem Polizisten redete waren ihre Eltern anwesend. Gerda hatte sich auf das Bett gesetzt und ihr Vater lehnte an der Fensterbank. Beide hörten gut zu und waren manchmal entsetzt über die Worte ihrer Tochter. Für Anita war es gut jemanden Vertrautes in der Nähe zu haben.
Wieder und wieder stellte der Polizist ihr dieselben Fragen. Wieder und wieder musste Anita die schrecklichen Erlebnisse erzählen. Sie wurde nervös und es strengte sie an. Angespannt saß sie auf dem Stuhl und hatte ihre Hände zwischen die Beine geklemmt.
Schließlich wurde es ihrem Vater zuviel und verlangte von dem Beamten, dass er seine Tochter nicht noch länger quälen solle. Der Polizist machte noch ein paar letzte Notizen auf dem Block. Dann wand er sich Hans zu.
„Ich verstehe ihren Ärger, Herr Schmidt. Ich muss diese Fragen aber stellen. Es ist eine schwerwiegende Anschuldigung die ihre Tochter macht.“
Dann wandte er sich wieder Anita zu.
„Es ist schmerzlich für sie. Das verstehe ich gut. Da sie aber wollen, dass ihnen Gerechtigkeit widerfährt musste ich ihnen diese unangenehmen Fragen stellen.“
Das Erzählen hatte Anitas Gefühle komplett durcheinander gewirbelt und sie fing wieder an zu weinen. Es war zum Glück jemand da, der sie tröstete. Gerda stand vom Bett auf, ging zu ihrer Tochter hin und legte ihr den Arm auf die Schulter.
Der Polizist stand auf packte seine Sachen zusammen und verabschiedete sich dann förmlich von den Dreien. Für ihn war es eine Routinearbeit und er blieb ziemlich emotionslos.

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