Montag, 4. März 2013
19. Kapitel

Das Paar wohnte nun schon eine ganze Weile in der Wohnung. Alles war inzwischen perfekt eingerichtet. Das hatte zwar noch ein paar Wochen in Anspruch genommen, doch hatte sich die Mühe gelohnt. Anitas Freundin Elke war von der Wohnung begeistert. Besonders das Kinderzimmer gefiel ihr. Die bunte Tapete mit den lustigen Ballonen darauf hatte es ihr angetan.
Das erwähnte die Frau bei jedem ihrer Besuche, so auch heute.
"Das Kinderzimmer ist ein absoluter Traum. Ihr habt hier alles so schön eingerichtet und trotzdem scheinst du in den letzten beiden Wochen total unglücklich zu sein. Stimmt etwas nicht? Hast du Probleme mit der Schwangerschaft?"
"Nein, mit dem Kind ist alles in Ordnung. Ich war erst gestern wieder beim Arzt und habe mich untersuchen lassen. Es ist etwas anderes."
Anita wollte nicht so recht mit der Sprache raus rücken. Elke ließ aber keine Ausflüchte gelten und wollte wissen was Sache ist. Nach einigem Zögern erzählte Anita ihr was sie bedrückte.
"Es ist wegen Markus. In den letzten Wochen war er immer öfters weg. Er ist oft schlecht gelaunt wenn er dann nach Hause kommt."
"Meinst du er bekommt kalte Füße wegen dem Baby. Ich meine..."
"Nein, das glaube ich nicht. Er hat sich riesig gefreut als ich ihm sagte, dass ich schwanger bin und er freut sich darauf Vater zu werden."
Elke schüttelte den Kopf. Dabei fiel ihr eine Strähne des Haares ins Gesicht. Sie strich sie mit der linken Hand zurück.
"Das war vor Monaten. Damals war nichts zu sehen. Jetzt sieh dich an. Du bist fett."
Das sagte sie mit einem leicht ironischen Unterton. So wollte sie ihre Freundin aus der Reserve locken. Sie merkte, dass Anita immer noch ziemlich verschlossen war und nicht so richtig darüber reden wollte. Früher provozierten solche Spitzen ihre Freundin und dann wehrte sie sich verbal.
"Ja, aber nur wegen dem Kind."
"Das weißt du. Das weiß ich. Wie sieht es aber mit Markus aus?"
"Ich bitte dich Elke. Er ist ein aufgeklärter Mann. Außerdem bin ich gar nicht so fett. Bis jetzt ist kaum etwas zu sehen."
"Das hat gar nichts zu sagen. Er hat schließlich noch keine Schwangerschaft miterlebt, oder?"
"Nein, das hat er nicht."
"Na siehst du. Du bist jetzt im sechsten Monat schwanger."
"Das ist es auch nicht. Es ist etwas anderes. Ich verhalte mich völlig normal, wenn du weißt was ich meine."
"Ja, du hast keinen Heißhunger auf Torte mit saueren Gurken."
Dabei musste Elke grinsen. Anita fiel es schwer ernst zu bleiben.
"Genau. Mir ist morgens auch nicht mehr übel wie das am Anfang meiner Schwangerschaft der Fall war."
Die beiden Frauen redeten noch eine ganze Weile über Markus' seltsames Verhalten.
Elke fragte Anita ob er wieder mit dem Spielen angefangen habe. Das war jedoch nicht der Fall.
Der Abend war schon weit voran geschritten. Dann tauchte Markus auf. Er begrüßte die zwei Frauen und wechselte nur ein paar Worte mit ihnen. Dann verschwand er im Schlafzimmer.
"Der war aber kurz ab."
"Das ist das was ich meinte", sagte Anita.
"Sag mal, habt ihr zwei überhaupt noch Sex. Kommt er vielleicht zu kurz? Hat er gar eine Affäre mit einer anderen Frau."
"Das glaube ich nicht. Er ist nicht der Typ fürs Fremdgehen. Wir haben hin und wieder Sex. Oft hat er aber keine Lust. Meinst du mein Körper stößt ihn ab?"
"Nee oder vielleicht doch. Ich weiß nicht wie beliebt Walrösser bei den Jungs sind“, scherzte Elke.
Ihr war die Situation inzwischen viel zu ernst geworden. Sie merkte, dass ihre Freundin langsam aber sicher in ein tiefes Loch zu fallen drohte. Dem musste sie entgegen steuern. Mit einem breiten Grinsen blickte sie Anita in die Augen. Es wirkte. Die Frauen brachen in Lachen aus. Es dauerte eine ganze Weile bis sie sich wieder beruhig hatten.
"Es wird sich bestimmt alles klären. Vielleicht solltest du einmal in aller Ruhe mit Markus reden."
"Ich weiß nicht so recht..."
"Das kann ich auch übernehmen."
Anita war schockiert.
"Alles nur das nicht. Nein, ich werde es schon selbst tun."
Wieder musste Elke an ihre zerbrochene Beziehung denken und hoffte für Anita dass es nichts Schlimmes war, das Markus zu seinem Verhalten trieb. Es wäre undenkbar wenn der Mann Anita sitzen lassen würde, jetzt da sie ein Kind von ihm erwartete.
"Meine Güte“, rief Elke aus, "es ist schon weit nach Mitternacht. Ich müsste längst schon im Bett liegen. Ich muss morgen zur Arbeit."
"Ich auch. Nur muss ich nicht mehr so weit fahren", scherzte Anita.
Die Freundinnen verabschiedeten sich voneinander. Dies sollte für eine lange Zeit der letzte gemeinsame vergnügliche Abend für die Frauen gewesen sein.

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