Dienstag, 19. Februar 2013
14. Kapitel

Das Auto hatten sie für eine Woche gemietet und so unternahm das Paar jeden Tag einen Ausflug. Abends studierten sie die Reiseführer und machten Pläne für den jeweils nächsten Tag. Am zweiten Tag besichteten sie das Anagagebirge im Norden der Insel. Die Fahrt dorthin war toll und Anita genoss es von ihrem Freund chauffiert zu werden. So konnte sie in aller Ruhe die vorbei ziehende Landschaft genießen. Immer wieder wies sie Markus auf Sehenswürdigkeiten hin die sie entdeckte. Nicht immer konnte er reagieren, da er auf den Verkehr achten musste. Sie plapperte unentwegt. Markus kam kaum zu Wort.
Bevor sie ins Gebirge fuhren hielten sie noch am Strand von San Andrès um kurz im Meer baden zu gehen. Nach dieser Erfrischung gingen die Beiden noch eine Kleinigkeit essen. Obwohl sie bereits in der Frühe aufgebrochen waren, war es bereits kurz vor zwölf Uhr und ihr Hunger wollte gestillt werden.
Dann ging es weiter. Die Straße führte nun steil bergauf. Einige Autos kamen ihnen entgegen. Manchmal wurde es etwas eng. Doch Markus war ein geübter Fahrer.
„Die Kiefernwälder sind toll. Ich hätte nicht gedacht, dass es auf Teneriffa so etwas gibt“, staunte Anita.
In Serpentinen schlängelte sich die Straße immer höher. Markus folgte ihr. Auf einer Berghöhe fand er einen Parkplatz von wo aus man einen tollen Ausblick hatte. Er stellte den Corsa ab. Sie stiegen aus. Nur ein leichter Lufthauch ging. Auf dem Asphalt flimmerte die Luft.
„Die Aussicht ist fantastisch“, meinte Anita die sofort auf den gegenüber liegenden Abhang zupirschte um hinunter zu blicken.
„Allerdings“, erwiderte Markus der ihr folgte, „in der Ferne kann man sogar Gran Canaria erkennen“.
Er zeigte mit dem Finger in die Richtung. Anita entdeckte das auch.
„Das wird unser nächstes Urlaubsziel“, rief sie aus.
Sie zückte den Fotoapparat und knipste drauf los. Von Markus schoss sie ein paar Bilder. Er von ihr. Es war nur schade, dass niemand sonst da war der die beiden zusammen fotografieren konnte. Das Paar genoss noch einen Augenblick das Panorama. Dann setzten sie die Fahrt fort. Schließlich wollten sie heute noch La Laguna, die frühere, und Santa Cruz, die heutige Hauptstadt von Teneriffa besichtigen.
Erst spät am Abend kehrten sie in ihr Hotel zurück. Beide waren inzwischen ausgehungert. Zum Glück war der Speisesaal noch geöffnet. Die Auswahl an Speisen war allerdings nicht mehr sehr groß. Doch das war ihnen egal.
Am nächsten Tag fuhren Sie nach Puerto de la Cruz, dem Touristenzentrum im Norden der Insel. Dort besichtigten sie den botanischen Garten und im Anschluss eine Bananenplantage. Auf dem Rückweg hielten sich noch in Icod und bewunderten den ältesten Drachenbaum der Insel, der gleichzeitig das Wahrzeichen Teneriffas ist.
Anita war nur noch mit fotografieren beschäftigt. Alles war so überwältigend. Vom meist fotografiertesten Baum der Welt, knipste auch sie einige Fotos. Dann verließen sie Icod und fuhren zu ihrem Hotel in Las Americas zurück.
Den Loro Parque in Puerto de la Cruz besichtigten sie am nächsten Tag, sonst wäre es von der Zeit her zu knapp geworden. Dort gab es Hunderte von verschiedenen Papageien zu sehen. Es gab seltene Exemplare die vom Aussterben bedroht sind zu sehen. Durch eine Broschüre die Anita am Eingang mitgenommen hatte erfuhren sie, dass der Park von einem Deutschen gegründet wurde.
Von der Delphin-Show war Anita begeistert. Anfangs hatte sie doch sehr starke Bedenken. Sie hielt nicht viel davon, dass Delphine, Seehunde oder Seelöwen in Gefangenschaft gehalten werden. Doch als sie die verschiedenen Becken gesehen hatte war sie erleichtert. Es waren bis dahin die Größten, die sie je gesehen hatte. Außerdem gab es im Park auch schon unter den gefangenen Delphinen Nachwuchs. Ein Zeichen dafür, dass sie sich doch einigermaßen wohl fühlten.
Markus faszinierte mehr der längste Haifischtunnel der Welt. Man konnte durch einen achtzehn Meter langen Tunnel gehen. Um einen herum schwammen Haie und Rochen. Es war fantastisch. Anita fand das eher beklemmend. Trotzdem ging sie mit ihrem Freund nochmals durch die Röhre bevor sie den Park verließen.
Gerade als Markus den Parkplatz mit dem Wagen verließ, fiel Anita auf, dass auf der anderen Seite, schräg dem Loro Parque gegenüber ein Tierheim war. Das fand sie ziemlich grotesk. Auf der einen Seite wurden die Tiere bewundert. Auf der anderen Seite, vegetierten vergessene und verstoßene Tiere, in wahrscheinlich viel zu engen Behausungen, vor sich hin.
Die Fahrt verlief ruhig und die schöne Landschaft flog an ihnen vorüber. Bald schon hatte die Frau das Tierheim vergessen. Markus konzentrierte sich auf die Straße. Sie sprachen unentwegt über den Park und wie toll sie ihn fanden.
Anita kaufte am Abend noch mehr Filme für ihre Kamera. Es gab einfach zu viel zu sehen. Mehr als fünf Filme hatte sie schon voll geknipst. Zudem schrieb sie an Elke die versprochene Karte. Auch an ihre Arbeitskollegen sendete sie Urlaubsgrüße in Form einer Postkarte. Markus hingegen hatte keine Lust Postkarten zu schreiben. Vielmehr hatte er Lust auf Sex mit seiner Freundin. Kaum hatte sie den Kugelschreiber und die Postkarten zur Seite gelegt fiel er über sie her. Er übersäte Anita mit Küssen. Auch sie war heiß. Er nahm sie direkt auf der Couch. Später gingen sie erschöpft ins Bett.
Den Pico del Teide mit Nationalpark; Masca, ein kleines Bauerndorf, ganz abgeschieden; Los Gigantes mit seinen Steilküsten; den Kakteenpark im Süden; noch mehr Bananenplantagen; das fruchtbare Orotavatal - das alles besuchten sie in den nächsten Tagen. Die Zeit raste nur so dahin. Jeder Urlaubstag war erlebnisreich und voller neuer Eindrücke.

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