Donnerstag, 24. Januar 2013
3. Kapitel

Kurz vor elf Uhr traf Anita in Höfen ein. Sie hatte das Haus in dem Elke eine Wohnung angemietet hatte nicht sofort gefunden. Sie musste sich erst durchfragen. Ihren roten VW Polo stellte die Frau am Bürgersteigrand ab, stieg aus und schloss den Wagen ab. Dann begutachtete Anita das Haus. Es war ein Neubau, vielleicht zwei Jahre alt. Sie schätzte, dass es sechs Wohnungen hatte. Über einen schmalen Schotterweg schritt sie auf den Eingang zu. Sie schaute sich gerade die Namen auf den Namensschildern an - es waren tatsächlich sechs - als die Tür aufging und eine ältere Frau heraus trat.
"Guten Morgen junge Dame", sagte die Frau, "kann ich ihnen helfen?"
Anita hatte nicht damit gerechnet, dass ausgerechnet in diesem Augenblick jemand aus dem Haus kam und erschrak als die Tür geöffnet wurde.
"Das können sie tatsächlich. Meine Freundin Elke Müller ist hier kürzlich eingezogen."
Die Grauhaarige wusste sofort um wen es sich handelte.
"Aber natürlich. Sie meinen das junge Ding aus Wohnung fünf. Das ist oben unterm Dach. Ich fürchte allerdings, dass sie im Moment nicht da ist. Ich habe sie vor einer halben Stunde aus dem Haus gehen sehen. Bis jetzt ist sie noch nicht wieder zurück gekommen."
Anita sagte der Frau, dass sie mit ihrer Freundin verabredet sei.
"Vielleicht klingeln sie besser mal. Es kann auch sein, dass ich nicht mitbekommen habe, dass sie zurück gekommen ist."
Die Frau wandte sich Richtung Straße und wollte gerade weiter gehen da drehte sie sich nochmals um und sagte:
"Ihr Auto steht nicht da. Dann ist sie doch noch unterwegs."
"Ich danke Ihnen Frau...."
"Gießler."
"Frau Gießler. Da muss ich wohl warten. Ich möchte meiner Freundin noch etwas beim Herrichten der Wohnung helfen. Ich habe es ihr versprochen."
Sie wünschte der Frau, die nun weiter ging, noch einen schönen Tag und ging zum Auto zurück. Die alte Frau ging gemächlich den Gehweg entlang. Anita schaute ihr hinterher.
Wenig später bog ein Auto um die Ecke. Es war Elke mit ihrem Wagen. Sie parkte hinter Anita. Die beiden Frauen begrüßten sich und gingen zum Haus.
"Hallo. Ich hoffe du hast nicht allzu lange gewartet. Ich musste noch ein paar Sachen besorgen. Allerdings habe ich ziemlich gebummelt."
"Das ist nicht so schlimm", beteuerte Anita, "so habe ich wenigstens gleich eine deiner Nachbarinnen kennen gelernt. Frau Gießler heißt die Dame. Eine nette Person."
"Ja, sie ist sehr freundlich. Vorgestern war ich schon zum Kaffee bei ihr eingeladen."
Elke schloss die Eingangstür auf und ging hinein.
„Allerdings glaube ich, dass sie mich auch mustern wollte.“
Anita trat durch die Tür die ihr ihre Freundin aufhielt.
"Hey, ich dachte du hättest eingekauft. Wo sind denn die ganzen Sachen?"
"Im Auto. Die können wir später aber auch noch holen. Jetzt komm' erst mal mit rauf."
"Wie du meinst."
„Was ist eigentlich mit Markus“, wollte Elke wissen, „kommt er noch oder was ist los?“
Anita stieß einen kurzen Seufzer aus.
„Er wollte nicht helfen. Im Moment ist es schlimm mit ihm. Zurzeit hat er gar keinen Antrieb. Das liegt bestimmt an seiner Arbeit“, spielte Anita die Situation herunter.
„Ob das mal stimmt“, entgegnete ihre Freundin nur.
Das Treppenhaus war großzügig angelegt. Zwei Etagen mussten sie hoch steigen. Nr. 5 lag auf der linken Seite. Elke schloss die Wohnungstür auf und ließ Anita eintreten.
"Als Erstes mache ich eine kurze Führung mit dir. Ich meine viel gibt es nicht zu sehen. Es ist nur eine 2-Zimmer-Wohnung."
Nach der kurzen Besichtigung gingen sie auf den Balkon. Es war ein sonniger Junitag und bevor sie mit der Arbeit anfangen wollten, tranken sie noch einen kalten Schluck Limonade.
"Die ganzen Regale und Schränke müssen noch eingeräumt werden. Außerdem möchte ich noch das Schlafzimmer neu streichen. Das mache ich aber nächste Woche, da ich erst Farbe kaufen muss."
"Soll mir recht sein. Die Wohnung gefällt mir übrigens sehr gut. So schön hell und sonnig."
"Ja das ist sie, und die Miete ist für mich auch bezahlbar. Lass uns jetzt aber lieber mal anfangen. Es gibt sehr viel zu tun."
"Dann lass' es uns anpacken", sagte Anita und stand auf.
Stundenlang waren die beiden Frauen damit beschäftigt die Kartons, die überall verstreut herum standen in die Schränke und die Regale einzuräumen. Zwischendurch aßen sie eine Kleinigkeit zu Mittag. Als sie endlich fertig waren zeigte die Uhr schon Vier.
"Endlich geschafft", sagte Elke, "ich bin froh, dass du mir geholfen hast."
"Das habe ich gern getan."
Sie setzten sich noch ein Weile auf den Balkon. Am Abend lud Elke ihre Freundin zum Essen ein. Sie meinte als Lohn für ihre Hilfe.
Danach fuhr Anita nach Hause. Sie war doch erschöpft und war froh als sie in Würzbach ankam. Es waren zwar nur fünfzehn Kilometer zu fahren, dennoch war sie froh. An diesem Abend ging sie schon früh zu Bett.

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